Berlin : Meine liebsten Drinks

Ein Mann vom Fach verrät Cocktail-Rezepte für alle Fälle

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Was empfiehlt der Fachmann? Stefan Weber, Chefkeeper der Victoria Bar, rät zu einer raffinierten DreierKombination, soll der Abend ungemein harmonisch werden. Und nicht allzu sehr die Stabilität der Genusstrinker gefährden. Beginnen sollte das elegant drinking mit einem Champagnercocktail, zum Beispiel dem in Webers Bar komponierten „Prince Charles“. Der Keeper verrät die Rezeptur: Erst kommt Eis in ein Rührglas, dann werden 2 bis 3 cl Cognac (zum Beispiel Hennessy VS) und 1 bis 2 cl Apricot Brandy hinein expediert. Es folgt „eine Spitze Angostura“, anschließend beginnt der Keeper zu schütteln und seiht die Mixtur in ein Champagnerglas ab, welches dann mit Champagner aufgefüllt wird. In der Victoria Bar wird zu einem „Gosset“ gegriffen, einer Marke aus dem gleichnamigen, ältesten Weinhaus der Champagne in Ay. Der Titel „Prince Charles“ ist übrigens eine Antwort der Berliner Victorianer „auf den Hype um Lady Di“. Aber, betont Weber, „noch bevor sie tot war“.

Weiter geht’s mit einem „Manhattan“. Dieser Cocktail „macht talk-active“ und sei ideal, „um mal nach vorne zu kommen“, psychologisiert der Keeper. Er kippt Eis ins Rührglas, dann 8 cl eines Canadian Whiskey sowie je 1,5 cl Noilly Prat und Martini Rosso. Nun wird gerührt und in eine vorgekühlte Cocktailschale abgeseiht. „Das ist ein altes Prohibitionsgetränk“, weiß Weber.

„Für ein schönes Gespräch“ tauge jetzt ein „Old Fashioned“, meint Weber. Er mag diesen Drink, weil er „sehr altmodisch“ sei – und aus dem Wilden Westen stamme. Ah ja. Ein kurzer, verstohlener Rundumblick in der Bar offenbart zunächst keine Einschusslöcher, Weber selbst wirkt im Moment auch nicht schwer bewaffnet. Vielleicht sollte man sich die Gäste genauer ansehen. Aber genug abgeschweift: Der Old Fashioned verlangt trotz der rustikalen Biographie eine präzise Zubereitung.

Also: In einem mittelgroßen Whiskey-Tumbler (passen bis zum Rand etwa 26 cl hinein) wird als erstes ein Esslöffel brauner Zucker gestreut. Dann gibt der Keeper zwei bis drei Spitzen Angostura hinzu, ein bisschen Eis (Würfel) und schüttet Bourbon hinterher, in dieser Bar „Four Roses“. Anschließend „wird ein bisschen geschwenkt“, näselt Weber. Perfekt ist der Old Fashioned noch lange nicht: Ein Zitronen- und ein Orangenachtel müssen jetzt leicht angedrückt und ins Glas gelupft werden (die Schalen geben ja auch Aroma ab). Nun wird mit Whiskey aufgefüllt. Fertig. Ein Konsument, der sich jetzt Sorgen um seine Kondition macht, darf „nach Belieben mit Soda-Wasser verdünnen“, da ist Weber generös. Und prophezeit diskret „eine gute Nacht“. fan

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