Meine Woche (1) : Stadt der Träume

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 24, ist seit Mai in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, was war das Beste, was Ihnen in der vergangenen Woche passiert ist?

Ich habe endlich eine richtige Wohnung gefunden. Vorher habe ich bei Freunden geschlafen, aber immer nur für begrenzte Zeit. Das ständige Umziehen war anstrengend. Seit Montag wohne ich mit Anna, einer Freundin, in einer Wohnung in Prenzlauer Berg. Und dort zahle ich sogar ein bisschen Miete. Immer gratis wohnen, das ist unangenehm.

Und jetzt beginnt das WG-Leben?
Ja, am Dienstag war eine Freundin von Anna zu Besuch und sie hat vegane Burger gemacht. Da konnte ich dann auch auf Deutsch sagen: „Das ist lecker.“

Willkommen in Berlin. Ahmad Al-Dali vor dem Schloss Bellevue.
Willkommen in Berlin. Ahmad Al-Dali vor dem Schloss Bellevue.Foto: Ahmad Al-Dali

Sie haben kürzlich ein Praktikum als 3-D-Programmierer angefangen. Bislang unbezahlt. Gibt es etwas Neues in Sachen Arbeitserlaubnis?
Ach, das ist so kompliziert! In der Ausländerbehörde spricht kaum jemand Englisch. Und ich muss zu vier verschiedenen Stellen, um die Erlaubnis zu bekommen. Außerdem muss ja erst geprüft werden, ob es nicht einen Deutschen gibt, der den Job machen könnte. Aber ohne Erlaubnis darf ich mir wirklich nichts dazuverdienen.

Können Sie das Leben in Berlin denn trotzdem genießen?

Alte trifft neu. Der Fernsehturm hinter der Kuppel des Bode-Museums.
Alte trifft neu. Der Fernsehturm hinter der Kuppel des Bode-Museums.Foto: Ahmad Al-Dali

Auf jeden Fall! Ich bin viel draußen und mache Dinge, die kein Geld kosten. Zum Tag der Deutschen Einheit habe ich mit einer Freundin und ihren Eltern einen Ausflug durch Berlin gemacht. Ich fand es toll, wie hier die alte Architektur mit der neuen zusammenspielt. Ich habe ein Foto gemacht: die Marienkirche am Alexanderplatz mit einem modernen Gebäude im Hintergrund. Echt schön.

Welches arabische Wort würden Sie uns diese Woche gern mit auf den Weg geben?
Vor einiger Zeit hat mich eine Radiojournalistin gefragt, was meine Träume sind. Da habe ich ihr davon erzählt, dass ich 3-D-Programmierer werden will. Wenig später hatte ich die Zusage für das Praktikum. Mein Wunsch ist also in Erfüllung gegangen. Deswegen: „Berlin, Madinat al-Ahlam“ – Berlin, die Stadt der Träume.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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