Meine Woche (28) : Integration

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25,ist seit Mai in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, jetzt sind Sie schon bald ein Jahr in Berlin! Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.

Stimmt! In diesem Jahr habe ich einiges über das Arbeitsleben erfahren, und über mich selbst. Ich bin jetzt viel offener.

Haben Sie viel über die Deutschen gelernt?

Zumindest haben sich alle Vorurteile als falsch erwiesen.

Zum Beispiel?

Dass die Deutschen langweilig sind und unfreundlich. Das stimmt nicht.

Und was noch?

Ein Freund hatte mir erzählt, dass die Deutschen alle Ausländer hassen und dass sie so stolz auf die deutsche Sprache sind, dass sie überhaupt kein Englisch sprechen wollen. Auch falsch.

Ein Glück. Was ist mit den typischen Vorurteilen – zum Beispiel, dass die Deutschen so pünktlich wären und so korrekt. Haben Sie das auch erlebt?

Ach, da gibt’s doch solche und solche. Einige kommen auch erst Stunden nach der vereinbarten Zeit. Ich versuche immer, pünktlich zu sein. Letztens habe ich mich aber verspätet und konnte es dann, ganz typisch, auf die U-Bahn schieben. So gut integriert bin ich.

Was ist mit dem typischen Berliner Wegbier – ein Wort, das Sie erst letztens gelernt haben. Sind Sie da auch dabei?

Klar, wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, trinke ich auch mal ein Wegbier. Aber niemals alleine.

Haben Sie schon Pläne für den Sommer?

Ich will auf jeden Fall Skateboard fahren auf dem Tempelhofer Feld. Aber unabhängig vom Wetter habe ich jetzt den Plan, für das Unternehmen, in dem ich jetzt mein Praktikum mache, in Teilzeit zu arbeiten. Dann könnte ich das mit dem Sprachkurs kombinieren und würde endlich Geld verdienen. Das ist eigentlich mein größter Wunsch derzeit: vom Jobcenter loskommen.

Welches arabische Wort geben Sie uns diese Woche mit?

Weil es gerade so passend ist: Indemag. Integration

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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