Meine Woche (3) : Globalisierung

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 24, ist seit Mai in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, was macht Ihr neues Fahrrad, von dem Sie letzte Woche sprachen?

Ach, das ist schon wieder kaputt. Ich habe Probleme mit den Bremsen und einem Pedal, das muss ich unbedingt reparieren. Ich komme zwar noch zur Arbeit, aber es nervt trotzdem. Vor ein paar Tagen habe ich einen Typen getroffen, der sagte, kein Problem, er besorgt mir ein Fahrrad für zehn Euro. Aber das ist hundertprozentig geklaut, so was will ich nicht unterstützen. Einer guten Freundin wurde neulich ihr Rad geklaut, das war wirklich traurig, sie hat es sehr geliebt. Vor einem Monat haben wir noch zusammen den Reifen repariert.

Wie ist das WG-Leben?
Tatsächlich muss ich schon wieder umziehen. Das Baby meiner Mitbewohnerin zahnt und schläft nicht gut, darum will sie die Wohnung doch für sich. Jetzt muss ich nächste Woche raus, das ist natürlich blöd. Ich werde zwar kurzfristig bei Freunden übernachten können. Aber eigentlich brauche ich eine richtige Wohnung. Am besten eine große, für eine WG mit meinen Freunden.

Glücklich. Ahmads Schwester Aula ist inzwischen mit ihrem Sohn Leith bei ihrem Ehemann Shadi in Wien angekommen.
Glücklich. Ahmads Schwester Aula ist inzwischen mit ihrem Sohn Leith bei ihrem Ehemann Shadi in Wien angekommen.Foto: privat

Gibt es Neuigkeiten von Ihrer Familie?
Meine Schwester, Aula, ist gerade in Serbien, bald wird sie in Kroatien sein. Ich drücke ihr die Daumen, dass sie bald in Österreich ankommen wird, da ist ihr Mann. Dem Rest meiner Familie in Syrien geht es gut, aber meine Mutter ist traurig, dass meine Schwester jetzt auch gegangen ist. Sie ist 31, ihr Sohn Leith ist zehn. Sie reisen zusammen mit Aulas Schwägerin, und sie werden auf dem Weg viele Leute treffen, das ist also schon okay.

Welches arabische Wort geben Sie uns diese Woche mit auf den Weg?
In der Straße, in der die 3-D-Designfirma ist, für die ich arbeite, gibt es ein vietnamesisches Restaurant, ein indisches Restaurant, italienische Pizza, Burger, Döner... Mit meinen Kollegen habe ich mich in einer Woche durch die ganze Welt gegessen. Berlin ist total international, darum: „Aleawlama“ – globalisiert. Ich musste das erst nachschlagen, manchmal vergesse ich Wörter. Diese Woche habe ich überhaupt kein Arabisch gesprochen.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

0 Kommentare

Neuester Kommentar