Meine Woche (34) : Großzügig

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad, was macht der Deutschkurs?
Gut – gerade lernen wir, über Fortbewegung zu sprechen. Zum Beispiel: „Ich fahre mit der U1 zur Warschauer Straße.“ Davor hatten wir Redewendungen, die man beim Arzt braucht. Ziemlich nützlich, wo ich mir ja meine Schulter gebrochen habe.

Mittlerweile ist es ja richtig heiß draußen, für viele Deutsche schon wieder zu heiß. Leiden Sie auch darunter?

Ach, in Damaskus werden es manchmal bis zu 50 Grad. Zum Glück haben dort die meisten Leute eine Klimaanlage.

Trägt man in Syrien kurze Hosen? Oder gehört es sich für Männer, lange Hosen zu tragen, und für Frauen eine Burka?

Männer ziehen auch kurze Hosen an, und es gibt viele Frauen, die keine Burka tragen. Eine meiner Tanten und meine Schwester zum Beispiel bedecken ihren Kopf nicht einmal mit einem Tuch. Mein anderer Onkel ist sehr religiös, deshalb trägt seine Frau Burka.

In Deutschland sehen manche die Burka oder das Kopftuch als Symbol für die Unterdrückung der Frau.

Ich finde es traurig, wenn Männer darüber bestimmen, was ihre Frau trägt. Aber wenn die Frau es sich selbst so aussucht, dann ist es nichts anderes, als wenn sie entscheidet, einen Minirock anzuziehen.

Am Montag beginnt der Ramadan. Werden Sie da auch fasten?

Aus religiösen Gründen sollte ich es tun, und bisher habe ich jedes Jahr gefastet. Man zeigt damit sein Mitgefühl mit den Armen. Aber ich bin ja schon so dünn und ich brauche viele Nährstoffe, damit meine gebrochene Schulter gut heilen kann. Ich werde wohl damit anfangen und schauen, wie weit ich komme.

Wir sind gespannt. Welches Wort geben Sie uns diese Woche mit?
Wenn man jemanden im Ramadan zum ersten Mal wiedertrifft, sagt man: Ramadan kareem. Ramadan ist großzügig.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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