Meine Woche (37) : Verkehr

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, wie läuft der Sprachkurs?

Wir haben nächste Woche eine Prüfung fürs Sprachniveau A1. Ich gehe da eigentlich ganz selbstbewusst ran, aber mir fällt sprechen immer noch viel schwerer als verstehen. Meine Mitbewohnerin Antonia fragt mich derzeit ständig mit einem Zettelkasten ab.

Dann kann ja nicht viel schiefgehen. Wie kommen Sie eigentlich jeden Morgen in die Sprachschule?

Den größten Teil der Strecke mit der U-Bahn. Zuerst die Tram bis Warschauer Straße und dann die U1. Jeden Morgen zur selben Zeit, mir kommen jetzt einige Gesichter schon richtig bekannt vor.

Was halten Sie denn von der U-Bahn in Berlin? Das Netz soll ja vielleicht sogar bald ausgebaut werden.

Ich finde den öffentlichen Nahverkehr hier super. In Syrien gibt es überhaupt keine U-Bahnen. Es sollte in Damaskus mal welche geben, aber das Projekt ist gescheitert. Und der Verkehr war dort so schlimm, dass ich mich auch nicht getraut habe, mit dem Rad zu fahren.

Und hier trauen Sie sich?

Ja. Am Anfang mit dem Rennrad meiner Mitbewohnerin. Dann hat unsere WG zwei Fahrräder von Tagesspiegel-Lesern geschenkt bekommen. Es macht echt Spaß. Nur einmal hatte ich einen Unfall.

Wo denn?

In der Prenzlauer Straße. Ich wollte von der Straße auf den Bordstein fahren, bin abgerutscht und hingefallen. Aber die anderen Radfahrer, die vorbeikamen, haben sich um mich gekümmert.

Viele schimpfen ja hier über schlechte Radwege. Es soll sogar einen Fahrrad-Volksentscheid geben, um die zu verbessern.

Stimmt, da habe ich auch unterschrieben. Es geht ja immer noch besser.

Welches Wort geben Sie uns in dieser Woche mit auf den Weg?

Das arabische für Verkehr: Mwasalat.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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