Meine Woche (41) : Geburt

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er,wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, Sie haben gute Nachrichten?

Ja, meine Schwester hat am Mittwoch eine Tochter bekommen! Ich freue mich sehr, jetzt bin ich zum vierten Mal Onkel.

Toll, herzlichen Glückwunsch!

Danke! Babys sind super, darum ist mein arabisches Wort für diese Woche auch weladeh, Geburt. Die Kleine soll wohl Lara heißen – oder Rita, ich bin nicht auf dem neuesten Stand. Ich finde beide Namen schön, auch weil sie in Syrien eher ungewöhnlich sind. Aber meine Schwester lebt ja auch in Innsbruck.

Wann machen Sie Ihren Antrittsbesuch?

Nächste oder übernächste Woche. Mein Sprachkurs hat jetzt drei Wochen Pause, heute war der letzte Unterrichtstag.

Sommerferien!

Sozusagen. Aber ein Zeugnis habe ich nicht bekommen. Ein bisschen frei fühle ich mich trotzdem, auch weil meine Schulter endlich nicht mehr bandagiert ist.

Gute Laune also?

Nicht so sehr. Die Lage in der Türkei ist schon sehr beunruhigend. Ich habe einige Freunde dort, die ich aus Syrien kenne, die meisten in Istanbul. Die wissen nicht, wie es jetzt weitergeht, was für Gesetze kommen. Werden sie vielleicht bald alle ausgewiesen?

Ihre Situation ist ein bisschen sicherer.

Ich habe eine Aufenthaltserlaubnis, ja. Trotzdem hat man zuerst Angst, wenn man zum Beispiel hört, dass das deutsche Zuwanderungsgesetz geändert wird. Es ist ein blödes Gefühl, abhängig zu sein.

Verständlich.

Darum fühle ich mich auch ständig so unter Druck. Der kommt gar nicht so sehr von außen. Aber ich selbst denke immer, ich müsste noch mehr tun, noch aktiver sein, mehr arbeiten, mehr lernen.

Aber Ferien sind doch zur Erholung da!

Erst mal fahre ich nach Innsbruck. Mit einem Baby im Arm kann man gar keine schlechte Laune haben.

Die Fragen stellte Jan Oberländer.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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