Meine Woche (43) : Liebe

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, kennen Sie Tinder?

Ja klar, die Dating-App nutzen Freunde von mir. Auf dem Smartphone wischt man Leute, die einem gefallen, nach rechts, die anderen nach links. Warum?

Wir haben uns nur gefragt, was Sie davon halten.

Es ist eine lustige Idee. Aber für mich ist das nichts.

Warum?

Da würde ich mich fühlen wie ein Produkt in einem Shop. Außerdem würde ich nicht allein wegen des Aussehens etwas mit jemandem anfangen. Ich rede lieber mit den Leuten.

Ist Dating in Syrien denn üblich?

Klar! Ich habe viele Mädels an der Uni oder bei Treffen von Anime-Fans kennengelernt.

Wir hätten gedacht, dass es vielleicht als unschicklich gilt, wenn sich eine Frau und ein Mann, die nicht verheiratet sind, allein treffen.

Das ist auf dem Land teilweise so. Aber nicht in einer Stadt wie Damaskus.

Finden Sie es in Berlin einfach, jemanden kennenzulernen?

Absolut! Auf Partys kann man super mit Frauen ins Gespräch kommen. Aber es ist schwer, jemanden für eine feste Beziehung zu finden. Die meisten wollen etwas Unverbindliches.

Sind Sie denn zur Zeit verliebt?

Ja. Ehrlich gesagt bin ich sogar mit jemandem zusammen.

Oh, wie spannend! Mit wem denn?

Ich möchte nicht so viel darüber reden, weil es noch ziemlich frisch ist. Sie ist eine Freundin von mir, und wir waren uns lange nicht sicher, ob wir unsere Freundschaft riskieren sollen. Aber jetzt ist alles super.

Na dann herzlichen Glückwunsch! Welches Wort geben Sie uns diese Woche mit?

Liebe heißt auf Arabisch hob.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben