Meine Woche (46) : Burka

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen Hijab, Niqab und Burka?

Na klar! Hijab ist ein Tuch, das nur die Haare und den Hals bedeckt. Niqab bedeckt den ganzen Körper und lässt nur die Augen frei. Bei einer Burka sind selbst die Augen verschleiert.

Was halten Sie davon, dass manche dieser Verschleierungen in Deutschland nun vielleicht verboten werden sollen?

Das finde ich absolut falsch. Es ist doch die persönliche Freiheit einer jeden Frau, zu tragen, was sie möchte. Davon abgesehen: Christliche Nonnen bedecken auch ihren Kopf, und Juden tragen die Kippa.

Wie war das in Syrien? Sah man auf den Straßen viele Burkas?

In Damaskus war das eher die Ausnahme. Meine Nachbarin trug sie, wenn sie auf die Straße ging. Meine Tante auch. Aber das ist schon sehr extrem. Die Hijab war sehr viel verbreiteter. Meine Mutter trug eine, auch eine meiner Schwestern.

Was halten Sie denn persönlich von der Burka?

Bei meiner Tante hat es mich richtig genervt. Ich will den Menschen, mit dem ich spreche, sehen können. Aber wie gesagt: Jeder darf tragen, was er will.

Haben Sie von der Muslima in Nizza gehört, die am Strand von Polizisten aufgefordert wurde, ihr langärmliges Oberteil auszuziehen?

Das ist doch Machtmissbrauch! Das wäre so, als hielte man mich auf der Straße an, um mir zu sagen, dass ich meine Mütze absetzen soll.

Glauben Sie, dass es bei dieser ganzen Debatte um Frauenrechte geht

Das glaube ich nicht. Man nimmt den Frauen ja quasi ihren Sicherheitsbereich. Ich glaube, es geht darum, zu zeigen, wer die Kontrolle hat. Und darum, dass alle gleich aussehen sollen.

Welches Wort geben Sie uns diese Woche mit.

Khemar. Das heißt auf Arabisch Burka.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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