Meine Woche (47) : „Wir schaffen das“

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, es ist ein Jahr her, dass Angela Merkel sagte: „Wir schaffen das.“ Hat Deutschland es in Ihren Augen geschafft?

Die Regierung hat es gut gemacht. Sie hat versucht, die besten Umstände zu schaffen für die, die kamen. Aber sie kann halt niemanden zwingen, die Menschen auch gerne aufzunehmen.

Wo liegt denn das Problem?

Viele Menschen sehen nicht, dass Integration zwei Seiten hat. Wir wollen uns ja anpassen, aber das heißt nicht, dass wir nur eine Kopie eines Deutschen werden wollen. Wenn ich meine Identität aufgeben muss, meinen Glauben, um reinzupassen, ist das keine Integration mehr.

Was könnte man denn tun, damit Geflüchtete besser akzeptiert werden?

Die Leute werden immer ihre Meinung haben. Aber mehr Bewusstsein wäre gut. Die Menschen hier denken teilweise, wir kämen alle aus der Wüste und hätten in unserer Heimat nichts gehabt. Jemand fragte mich mal: „Hey, habt ihr viele Autos in Syrien?“ Die Leute denken, wir reiten auf Eseln.

Die AfD sagt: Wir schaffen das nicht.

Deutschland hat eine starke Wirtschaft. 80 Millionen Menschen nehmen eine Million auf. Die meisten Newcomer, die ich kenne, sind gebildet und bereit, etwas zu leisten. Oft fehlt nur die Sprache, die sie dann lernen – diese Leute haben es doch schon geschafft. Es gibt keinen Grund, so paranoid zu sein wie die AfD.

Eine neue Studie besagt, viele Flüchtlinge hätten ähnlich rechtskonservative Ansichten wie die AfD.

Das kann ich gar nicht glauben. Die, die ich kenne, sind vor Unterdrückung geflohen. Viele meiner syrischen Freunde sind schwul. Sie wollten eine andere, offenere Kultur und Meinungsvielfalt.

Welches Wort geben Sie uns diese Woche mit?

Fena nhaeeha. Das heißt auf Arabisch „Wir schaffen das“.

Die Fragen stellte Ronja Ringelstein.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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