Meine Woche (50) : Rückkehr

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, die Nachrichten aus Syrien sind ja derzeit wieder sehr beunruhigend. Wie geht es Ihnen damit?

Dass die Waffenruhe nicht gehalten hat, hat mich wenig überrascht. So was gibt den Menschen zwar Zeit, sich mit Medizin oder Essen einzudecken. Aber die Situation ist zu kompliziert, als dass sie mit einer Waffenruhe gelöst werden könnte.

Wie geht es Ihren Eltern?

Mein Vater, der als Bauingenieur gearbeitet hat, geht in Rente. Jetzt muss er unter der Woche nicht mehr in unserem Stadthaus wohnen, sondern ist öfter bei meiner Mutter in der Vorstadt.

Merkt man denn in Damaskus viel vom Krieg?

Klar, irgendwo wird immer geschossen. Man sieht Rauch in der Ferne. Ab und zu fällt eine Bombe.

War Ihre Familie auch betroffen?

In unser Haus in der Innenstadt ist eine Bombe gefallen. Meiner Mutter ging es anfangs sehr schlecht, mittlerweile hat sie sich aber an den Konflikt gewöhnt.

Die AfD will, dass Flüchtlinge in ihr Land zurückkehren, wenn der Krieg vorbei ist. Können Sie sich das auch vorstellen?

Ich bin jetzt sehr verwurzelt hier, sodass ich nicht für immer zurück nach Syrien möchte. Aber ich will gerne helfen, mein Land wieder aufzubauen. Auch wenn ich nicht so genau weiß, was ich als 3-D-Programmierer da machen soll.

Wollen denn Ihre Freunde zurück?

Ja, einige würden sogar schon jetzt zurückwollen, weil sie hier keinen Anschluss finden oder Heimweh haben. Deswegen ist mein Wort für diese Woche: alawdeh. Das heißt Rückkehr.

Und Ihre Eltern, würden Sie sich wünschen, dass die hierherkommen?

Sie müssten ja auf demselben gefährlichen Weg kommen, den ich genommen habe. Das geht nicht. Und es wäre auch schwer in ihrem Alter, sich an eine komplett neue Lebensweise zu gewöhnen.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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