Meine Woche (83) : Chaos

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 26, ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali
Newcomer Ahmad Al-Dali.
Newcomer Ahmad Al-Dali.Photo: Georg Moritz

Ahmad, was gibt es Neues in Sachen Studium? Sie hatten ja die Hoffnung, dass Sie sich bald für Game Design einschreiben können.

Das hat sich jetzt leider komplett zerschlagen. Eigentlich war ja bislang nur die Frage, ob ich bis September das nötige Sprachniveau erreiche. Aber jetzt hat sich gezeigt: Mein Abitur wird in Deutschland gar nicht anerkannt!

Wie bitte?

Offenbar ist es nicht gut genug.

Und das hat Ihnen vorher, in all den Monaten, in denen Sie sich um ein Studium bemüht haben, niemand gesagt?

Nein. Auch im Jobcenter nicht. Eine Möglichkeit wäre noch, dass es zumindest gleichwertig mit einem Fachabitur ist. Aber selbst dann könnte ich nicht anfangen zu studieren, sondern müsste erst ein Studienkolleg besuchen, um mich an das Studieren zu gewöhnen. Dabei habe ich in Syrien schon mehrere Semester studiert.

Und wenn es gar nicht anerkannt wird?

Dann muss ich es im Abendgymnasium nachholen. Mich frustriert das extrem. Wenn ich das nur früher gewusst hätte ... Aber jetzt muss ich erst mal rausfinden, ob mein Sprachlevel überhaupt für das Abendgymnasium ausreicht.

Wie reagiert Ihre Familie auf all diese Schwierigkeiten?

Meine Mutter und mein Bruder haben den Eindruck, dass bei mir hier gar nichts vorangeht. Dabei mache ich sehr viel: Ich setze mich die ganze Zeit mit diesen bürokratischen Hürden auseinander. Das kostet eine Menge Energie und Zeit.

Im Jobcenter werden sie wahrscheinlich auch immer ungeduldiger.

Schon länger. Ich muss alle zwei bis drei Wochen hin. Dann habe ich immer wieder Angst, dass sie mir gleich die Leistungen kürzen.

Welches Wort geben Sie uns diese Woche mit?

Chaos. Das heißt Faoda auf Arabisch.

Die Fragen stellte Maria Fiedler.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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