Meine Woche (9) : Familie

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 25,ist seit Mai in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali

Ahmad, erreichen wir Sie bei der Arbeit?

Nein, ich war heute nicht da, gestern auch schon nicht. Ich bin krank, mein Magen macht mir Probleme. Echt unangenehm. Aber das wird schon wieder.

Klingt nach einer doofen Woche.
Gar nicht. Vor zwei Tagen war ich als Übersetzer in einem Jugendzentrum. Das Familienministerium hatte Newcomer eingeladen, über ihre Ziele und Träume zu reden, Kids zwischen 14 und 17, die allein nach Deutschland gekommen sind. Ich war schon bei anderen Treffen, da waren auch Syrer dabei, diesmal aber nur Kids aus Afghanistan und Pakistan.

Da gab es wohl wenig zu tun für Sie als Arabisch-Übersetzer ...
Ja, und ich bin trotzdem geblieben. Die Jugendlichen waren total kreativ. Sie haben eine Kamera bekommen und konnten filmen, was sie wollten. Etwa zum Thema „Freiheit“. Eine Gruppe hat sofort gesagt, okay, wir spielen etwas: Ein Mädchen geht die Straße entlang, zwei Typen belästigen sie – und andere kommen und beschützen sie, sodass sie zur Schule gehen kann. Sie haben keine fünf Minuten gebraucht, die Szene zu entwickeln.

Toll.
Ja! Oh, und ich habe meinen Freund Bartl wiedergetroffen, letztes Wochenende in München. Wir waren im Stadion bei Bayern gegen Hertha. Natürlich waren wir für Hertha, schließlich komme ich aus Berlin. Bartl hat gesagt: „Totale Integration!“

Gibt es Neuigkeiten von Ihrer Familie?

Ja, meine Schwester ist schwanger! Sie hat gesagt, wenn es ein Junge wird, nennt sie ihn Ahmad. Ich wollte sie über Weihnachten in Wien besuchen, aber bis dahin werde ich meinen Pass noch nicht haben, das wird also nicht klappen.

Was für eine Enttäuschung.
Tja, jetzt fahre ich eben über die Feiertage zur Familie meiner Mitbewohnerin Antonia. Ich bin sehr froh über die vielen wunderbaren Menschen in meinem Leben, Bartl und Antonia und all die anderen. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, fühlt sich alles besser an. Darum ist das arabische Wort diese Woche ayleh – Familie.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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