Meine Woche (92) : Der Traumboy

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 26,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali
Newcomer Ahmad Al-Dali.
Newcomer Ahmad Al-Dali.Photo: Georg Moritz

Ahmad, was möchten Sie heute Abend unternehmen?
Heute hat ein Freund von mir, Daniel Herrmann, eine Theatervorstellung. Er wird eine Geschichte erzählen, die davon handelt, dass so ziemlich jeder einen Traum hat und diesen Traum verwirklichen möchte. Aber das Leben macht, was es will, nicht was wir wollen. Der Name des Theaterstücks lautet „Traum Boy“.

Haben Sie auch einen Traum?

Damals, als ich noch in Syrien war, träumte ich davon, meine Freundin zu heiraten und ein verlässliches Leben zu führen. Der Krieg hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin in die Türkei geflohen und habe dort zwei Jahre lang unglaublich viel gearbeitet, um mit ihr zusammen zu sein und eine Familie zu gründen, aber es war unmöglich, und deshalb haben wir uns am Ende getrennt.

Haben Sie für Ihr Leben in Berlin einen Traum?

Heute habe ich keinen Traum mehr, weil ich nicht mehr an Träume glaube, sondern ich habe ein Ziel, und Schritt für Schritt komme ich diesem Ziel näher. Ich möchte eine Ausbildung im Bereich Audio-Video-Produktion machen. Vier Monate lang habe ich ein Praktikum absolviert, und bald werde ich die Ausbildung anfangen. Der Mitarbeiter im Jobcenter empfiehlt mir allerdings, die deutsche Sprache bis C1-Niveau zu lernen und eine Ausbildung als Elektriker zu machen, weil ich in Syrien als Elektriker gearbeitet habe.

Haben Sie schon endgültig entschieden, ob Sie Ihrem Wunsch oder der Empfehlung des Jobcenters folgen?

Noch nicht, aber wahrscheinlich werde ich die Ausbildung in meinem Wunschberuf beginnen. Weil man immer nach seinem Wunsch gehen sollte.

Was ist unser Wort für diese Woche?

Traumboy, auf Arabisch Sbi alahlam.

Die Fragen stellte Muhamad Abdi.

Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

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