Meine Woche (94) : Boot

Der Syrer Ahmad Al-Dali, 26,ist seit Mai 2015 in Berlin. Hier erzählt er, wie ihm die Stadt begegnet.

Ahmad Al-Dali
Newcomer Ahmad Al-Dali.
Newcomer Ahmad Al-Dali.Photo: Georg Moritz

Ahmad, derzeit kommen wieder mehr Menschen übers Mittelmeer nach Europa. Verfolgen Sie das in den Nachrichten?

Ja, ich habe mich auch letztens mit einer Frau unterhalten, die auf einem dieser Rettungsbote mitfährt. Mittlerweile gibt es ja eine Reihe von Organisationen, die versucht, Flüchtlingen in Seenot zu helfen. Finde ich super.

Es gibt aber auch Kritik daran.

Ja, ich weiß. Manche Leute denken, dass die Rettungsorganisationen mit ihrer Arbeit den Schmugglern helfen. Aber das ist doch Unsinn. Die Schmuggler fahren so oder so aufs Meer. Aber wenn sie die Menschen in völlig überfüllte Boote setzen, dann können die NGOs wenigstens einen Teil der Menschen vor dem sicheren Ertrinken retten.

Haben Sie auch von der Aktion der ultrarechten Identitären Bewegung gehört, die ein Boot gemietet hat, mit dem sie Migranten vor der libyschen Küste abfangen und zurück nach Afrika bringen will?

Das sind Nazis, die irgendwie cool sein wollen. Für solche Aktionen habe ich kein Verständnis.

Der neue französische Präsident Emmannuel Macron will Hotspots in Libyen einrichten, wo die Leute Asyl in Europa beantragen können, ohne das Mittelmeer überqueren zu müssen.

Die Idee ist gut. Aber am Ende werden sie wahrscheinlich sehr wählerisch sein. Wer abgelehnt wird, muss dann doch durchs Mittelmeer.

Es ist aber auch so, dass die Menschen in Afrika oft vor Armut und Hunger fliehen und nicht vor Krieg. Deshalb haben sie kaum eine Chance auf Asyl.

Die westliche Welt beutet Afrika seit sehr langer Zeit aus, etwa was Rohstoffe betrifft. Da ist es doch perfide zu sagen: Wenn diese Menschen jetzt vor Armut fliehen, wollen wir sie nicht.

Welches Wort geben Sie uns heute mit?

Boot, das heißt auf arabisch Qareb.

Die Fragen stellte Maria Fiedler. Diese Kolumne ist gedruckt in der Tagesspiegel-Samstagsbeilage Mehr Berlin erschienen. Alle Folgen finden Sie unter diesem Link.

» Jamaika-Aus: Wie geht es weiter? Jetzt E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar