MEINE MEINUNG : Die Geschichte ist erledigt

Was aus dem Petriplatz wird? Ein grünes Geviert an einer Hauptverkehrsstraße.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Auch reiferen Berlinern muss die Existenz eines „Petriplatzes“ erst einmal nahegebracht werden. Es gibt ihn schlichtweg nicht. Es gab ihn, und es gibt auch wieder ein Straßenschild, das diese Adresse ausweist. Ein Platz wird daraus nicht.

Immerhin handelt es sich um einen geschichtsträchtigen Ort. Denn der Eichenbalken, der 2007 aus einem der nach dem Zweiten Weltkrieg untergepflügten Hauskeller geborgen wurde, stammt aus dem Jahr 1192 und ist somit 45 Jahre älter, als es die offizielle Chronik Berlins für die Stadt behauptet. Und auch für Cölln.

Später stand dann die Petrikirche an diesem Platz, nacheinander in fünffacher Ausfertigung. Vorbei. Seit den sechziger Jahren führt die auf acht Spuren verbreiterte Gertraudenstraße in begradigtem Verlauf am Petriplatz vorbei, der „als Parkplatz Teil des Verkehrsraums geworden“ ist, wie eine Senatsbroschüre konstatiert. Allerdings: Dieser Platz war nicht eben optimal. Denn die Gertraudenstraße, seitlich an ihm entlang- und nicht etwa auf ihn hinführend, lud nach dem Krieg zur autogerechten Verbreiterung geradezu ein. Und was sollte der Realsozialismus mit Kirchenruinen anfangen? Die letzte Ausführung der Petrikirche, ausgebrannt und ohne Turmhelm, wurde bereits 1961 abgerissen. Wenig hat sich getan, trotz aller nun auch schon mehrere Jahre alten Absichtserklärungen, um einen Platz erkennbar zu machen. Ein kurzes Stück Querstraße, damit das Straßenschild wenigstens symbolischen Sinn erhält. Die archäologischen Ausgrabungen haben jede weitere Bebauung vorerst zurückgestellt, man wundert sich, dass überhaupt erst jetzt so richtig gegraben wurde und wird.

Ein paar Altbauten stehen noch. Ein ehemaliges Geschäftshaus, ein sehr markanter Bau, ist überhaupt erst jetzt zu erkennen, da einige DDR-Plattenbauten verschwunden sind. Andere werden gerade mit Dachausbau aufgehübscht. Es wird also zu einer Mixtur aus Altbauten, kaschiertem „Großtafelbau“ und Neubauten kommen, und mag auch die Gertraudenstraße ein wenig schmaler werden, so wird sie doch eine Hauptdurchgangsstraße bleiben, die an einem begrünten Geviert vorbeiführt, das eben den Namen Petriplatz trägt.

Aber machen wir uns nichts vor: Der ganze Bereich, der einmal das historische Cölln umfasste, ist seit der ausgehenden Kaiserzeit zerstört, überformt und vor allem seines mittelalterlichen bis barocken Maßstabs beraubt worden. Das lässt sich nicht wieder rückgängig machen, nicht am Petriplatz, nicht an der Friedrichsgracht und nicht auf der Fischerinsel. Die Geschichte ist, im Wortsinne, erledigt.

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