Berlin : Meisterprüfung

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VON TAG ZU TAG

Ulrich ZawatkaGerlach über

den Herrn Müller von der SPD

Der Mann hat jetzt Chancen, richtig prominent zu werden. Für jemanden, der Michael Müller heißt, ist das zwar nicht einfach, aber mit der Nominierung für den SPD-Landesvorsitz sind die Grundlagen gelegt. Die schwierige Parlamentsfraktion hat er in den vergangenen zwei Jahren gezähmt. Das war gar nicht einfach; man kann sich die Abgeordneten, so wie sie sein sollten, ja nicht backen. Müller galt zunächst als braver Gefolgsmann des Regierungschefs Wowereit, der ihm das Fraktionsamt 2001 großzügig überließ. Dieses Image konnte er erfolgreich ablegen. Das war auch nicht einfach für den noch relativ jungen Politiker, der an guten Tagen aussieht, als habe er soeben das Abitur abgelegt. Ein großer Junge, der sich gern um seine beiden Kinder kümmert. Aber man darf sich nicht täuschen: Müller macht verbindlich, aber knochenhart Politik. Und eines hat der Tempelhofer Mittelständler dem Parteifreund Strieder weit voraus: Er ist grundsympathisch, er pumpt sich nicht ständig auf und kommt auch mal ein, zwei Tage ohne Presseerklärung aus. Ein effektiver, pragmatischer Politiker, der in der Reihe der jungen, nachgewachsenen SPD-Kreisvorsitzenden längst zum Primus inter pares geworden ist. Die Gesellenprüfung hat er mit dem Fraktionsvorsitz abgelegt. Nun muss er das Meisterstück schaffen: Als SPD-Landeschef die frustrierte, niedergeschlagene Partei wieder aufzurichten und mit der Fraktion und dem Senat in Einklang zu bringen. Entweder geht Müller dabei unter – oder er kommt ganz groß raus.

Dann müsste er nur noch lernen, ein klein wenig auffälliger und unbescheidener Politik zu machen. Auf Partys muss er nicht unbedingt gehen. Dafür gibt es andere. Wir nennen keinen Namen. Aber Müller – den Namen muss man sich jetzt merken. So schwierig ist das ja auch gar nicht.

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