Mellowpark : Keine Angst vorm Fliegen

Der Mellowpark, Paradies für Skateboard- und BMX-Fans, ist bedroht. Die beliebte Skate- und BMX-Anlage soll nach der aktuellen Saison umziehen.

Matthias Jekosch
BMX Foto: dpa
BMX- und Skateboardparadies Mellowpark. -Foto: dpa

BerlinMitten auf dem Mellowpark-Gelände, neben dem Skateparcours, steht seit ein paar Wochen ein neuer Container. Hier können Skateboards oder BMX-Räder geliehen werden. Der Container ist auch ein Signal. „Wir sind hier und haben noch nicht aufgegeben“, sagt Jens Werner vom Betreiber all eins e.V. Der Mellowpark, nach eigenen Angaben Europas größte Skate- und BMX-Anlage, soll nach der aktuellen Saison umziehen. Die hat an diesem Wochenende mit dem Highway to Hill ihren ersten Höhepunkt.

Noch herrscht auf dem über 10 000 Quadratmeter großen Gelände an der Friedrichshagener Straße in Köpenick buntes Treiben. Auf den Holzrampen rollen Skateboardfahrer, auf der aus Erde aufgeschütteten BMX-Bahn steigen die Fahrer hoch in die Luft, auf dem Basketballplatz spielt eine Gruppe Jugendlicher. „Die Leute kommen wegen dieser Atmosphäre“, sagt Werner.

Gerade sie bereitet Probleme. Nebenan stehen die Fotochemischen Werke, denkmalgeschützte Backsteinbauten. Die Berner Group hat das Gelände gekauft und will für 60 Millionen Euro Wohnungen errichten. Der Mellowpark wäre dafür zu laut. „Den Konflikt müssen wir beachten. All eins leistet gute Arbeit, aber es war von Anfang an eine klassische Zwischennutzung“, sagt Ute Löbel, Leiterin des Stadtplanungsamtes.

Die Zwischennutzung ist über den Bezirk hinaus bekannt geworden. Bis zu 12 000 Besucher kommen laut Werner pro Saison, Veranstaltungen nicht mitgerechnet. Die Bezirksverordneten haben sogar bekräftigt, dass sie den Park behalten wollen – nur nicht an der jetzigen Stelle. Auch all eins will im Bezirk bleiben. „Die Kinder und Jugendlichen sehen das als ihren Park an“, sagt Werner. Seit der Eröffnung im Jahr 2000 habe es keine Schlägereien oder Vandalismus gegeben. „Es ist eine wichtige Einrichtung für den sozialen Frieden im Bezirk“, glaubt er.

Jugendstadtrat Dirk Retzlaff (SPD) befürwortet für den Park ein Grundstück an der Bulgarischen Straße, hinter dem Rathaus Treptow, zusammen mit der Insel der Jugend. Allerdings ist auf der Insel bereits ein Träger mit einem Vertrag bis 2013. „Wir wollen den nicht ausspielen“, sagt Werner. Ohne die Insel reiche der Platz jedoch nicht aus. Nutzer der anliegenden Kleingartenkolonie Parkstraße haben zudem Widerstand angekündigt. Sie fürchten Lärmbelästigung.

Werner selbst hat ein Gelände an der Wuhlheide im Blick, Eurotower genannt. Das Grundstück gegenüber der Alten Försterei wird vom Liegenschaftsfonds verwaltet und ist knapp 68 000 Quadratmeter groß. Werner hält das für angemessen und sieht Entwicklungspotenzial. BMX-Rennen werden in Peking olympisch. Eine Rennstrecke gibt es auf dem alten Gelände nicht, könnte auf dem an der Wuhlheide aber problemlos integriert werden. Der Haken: Der Liegenschaftsfonds bietet das Grundstück bereits Investoren an. Mit denen kann der Mellowpark finanziell nicht mithalten.

Doch auch das Grundstück an der Friedrichshagener Straße ist nicht aufgegeben. Eine Interessengemeinschaft hat sich soeben gegründet. Ihr Ziel ist es, den Park an Ort und Stelle zu lassen. Dafür strebt sie ein Bürgerbegehren an. Auch Werner sagt: „Ich würde mich zur Not an die Rampe ketten.“ Noch hofft er auf einen Kompromiss.Matthias Jekosch

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