Memoirenschreiber : Jörg Schönbohm fordert mehr Stolz auf die Einheit

„Ossi, Wessi, das macht mich krank. Wir können doch alle stolz auf das in 20 Jahren Erreichte sein", sagt Jörg Schönbohm bei der Vorstellung seiner Memoiren.

Thorsten Metzner

Berlin – Er ist eben ein streitbarer Missionar. Auch am Montagabend, als Jörg Schönbohm seine Memoiren in der Brandenburger Landesvertretung in Berlin präsentierte, fehlte natürlich nicht sein Plädoyer für die innere Einheit der Deutschen: „Ossi, Wessi, das macht mich krank. Wir können doch alle stolz auf das in 20 Jahren Erreichte sein.“ Das klang nicht unbedingt nach „Wilde Schwermut“, wie der Titel des im Landt-Verlag erschienenen Buches heißt. Gut 150 Interessierte, Freunde und Weggefährten aus seiner militärisch-politischen Karriere waren erschienen, um einem ungewöhnlichen Menschen die Referenz zu erweisen. Der langjährige Freund und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellte ihn als atypischen Politiker vor: „Winkelzüge, Rücksichtnahmen, dass man Mehrheiten gewinnen muss – das ist nicht so ganz seine Art.“

Angeeckt ist Schönbohm oft, in Berlin, in Brandenburg, einstecken musste er auch. So sprach Schäuble davon, dass Schönbohm im Streit um die Ausländerpolitik in „bemerkenswerter Weise von seiner Kirche diffamiert wurde“. Schönbohm selbst bekannte, wie sehr er unter dem Aufschrei auf seine Proletarierungsthese zu Spätfolgen der DDR-Diktatur im Osten litt, ja leidet. „Es war der Tiefpunkt meines politischen Lebens. Ich habe überlegt, ob ich aufhöre.“

In der Familienpolitik – hier hat der 72-Jährige seiner Partei die Aufgabe konservativen Tafelsilbers angekreidet – erntete er gestern Widerspruch von Schäuble: „Ich bin ausdrücklich gegenteiliger Meinung.“ Das Ehepaar Schönbohm sei eine „ungewöhnlich glückliche Ausnahme“, aus der man in veränderten Zeiten „nicht die Regel machen“ könne. Man müsse jungen Frauen die Möglichkeit geben, Beruf und Familie zu vereinbaren. Thorsten Metzner

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