Berlin : Mengenleere

Christian van Lessen

Ist das ein Berliner Phänomen? Drei Tage flanieren rund 24 000 Menschen durch das Bode-Museum, das völlig leer ist, schauen sich säulenschwere Räume an, die allein durch sich selbst wirken. So war es schon vor Jahren im ebenso neuen wie leeren Jüdischen Museum oder dem Pei-Bau für das Deutsche Historische Museum. Ist es die Faszination der Leere, der puren Architektur? Die Museumsdirektoren könnten angesichts der Begeisterung für das Nichts im Raum schon ins Grübeln kommen: Was nützen die größten Ausstellungsschätze, wenn die Leute allein nur wegen der Wände ringsum in Scharen kommen? Und kommen sie denn dann auch wieder, wenn das Museum wirklich ein Museum ist? Wir vermuten, dass die Mengen der Berliner nicht nur die Leere genießen – sondern vorab kritisch kontrollieren wollen, ob die Bauhandwerker für die vielen Steuergeld-Millionen nicht gepfuscht haben. Böse Zungen könnten dennoch behaupten, es gehe den Berlinern offenbar mehr um Verpackung als um Inhalt. Käme auf einen Versuch an. Noch steht der leere Palast der Republik.

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