Meningitis-Tod : Unter Kontrolle

Nach der Behandlung mit Antibiotika sind 60 Kinder und 10 Erwachsene außer Menengitis-Gefahr. Die dreijährige Lili, die am Donnerstag im Vivantes-Klinikum verstorben war, hat offenbar niemanden angesteckt. Von Marc Neller

Berlin - Nach dem Meningitis-Tod der dreijährigen Lili sollen nun 60 Kinder und 10 Erwachsene außer Gefahr sein, sich anzustecken. "Wir rechnen mit keinen weiteren Krankheitsausbrüchen", sagte Stefan Busse, der Leiter des Gesundheitsamtes Mitte. Inzwischen seien 60 Kinder und zehn Erwachsene mit Antibiotika behandelt worden, um einer Hirnhautentzündung vorzubeugen. Die Kita in der Rückerstraße in Mitte bleibt daher geöffnet, auch wenn der Alltag schwer fällt. Die Mitarbeiterinnen trauern.

Wo sich das verstorbene Mädchen angesteckt hat, wird vermutlich ungeklärt bleiben. "Die Ursachen einer solchen Infektion lassen sich nur selten aufklären", sagte Ulrich Fegeler, der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Meningitis werde durch Tröpfcheninfektion übertragen, so dass man sich überall anstecken könne. In Berlin wurden in diesem Jahr 27 Meningitis-Erkrankungen registriert. Dass Lili sterben musste, sei tragisch, so Fegeler. "Es kommt nur sehr selten vor, dass eine Meningitis einen so schweren Verlauf nimmt." Diese schwere Form der Meningokokken-Meningitis sei nur heilbar, wenn man sie sehr früh erkenne.

Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, starb Lili in der Nacht auf Dienstag im Vivantes-Klinikum in Friedrichshain. Noch am Montag war das Kind in seine Kita gegangen, ohne dass Symptome der Krankheit erkennbar waren. In der Nacht brachten die Eltern ihre Tochter ins Krankenhaus, wo die Ärzte das Leben des Mädchens nicht mehr retten konnten. Andere Eltern fürchteten, ihre Kinder könnten sich angesteckt haben. Einige warfen dem Gesundheitsamt des Bezirks vor, es habe nicht rechtzeitig über die Gefahr informiert. Amtsleiter Busse wehrt sich gegen diese Vorwürfe. "Es gab Eltern, die uns neue Adressen oder Handynummern nicht mitgeteilt hatten. Da hat es länger gedauert, sie zu erreichen." Seit Mittwoch seien aber alle Eltern informiert. Wie Busse warnte auch Kinderärzte- Sprecher Fegeler vor Hysterie. In mindestens einer Praxis im Westteil der Stadt kam es aber zu hysterischen Szenen. Als sich dort ein Kinderarzt behandeln ließ, der Kinder aus Lilis Kita behandelt hatte, wurden zwei Sprechstundenhilfen panisch. (Von Marc Neller)

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