• Meningitis zweimal nicht erkannt – Vierjähriger starb Als die Symptome eindeutig waren, kam die Hilfe zu spät.

Berlin : Meningitis zweimal nicht erkannt – Vierjähriger starb Als die Symptome eindeutig waren, kam die Hilfe zu spät.

Das Krankenhaus weist die Verantwortung von sich

Ingo Bach

Und wieder kam der Tod innerhalb von Stunden. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb am Mittwoch in den frühen Morgenstunden ein kleiner Junge an Hirnhautentzündung. Gegen 3.30 Uhr hatte der Vater des vierjährigen Philipp aus Marzahn seinen Sohn ins Vivantes-Klinikum Friedrichshain gebracht. Er zeigte die typischen Symptome einer schweren Meningokokken-Meningitis: Am ganzen Körper wies er dunklen Ausschlag auf, Folgen der inneren Blutungen, die von den Bakterien ausgelöst werden. Trotz sofortiger Intensivbehandlung starb der Junge nach zwei Stunden.

Besonders tragisch an dem Fall ist, dass die gefährliche Krankheit zweimal hintereinander nicht erkannt wurde. Denn schon am Dienstagabend um 18.30 Uhr brachten die Eltern ihr Kind mit hohem Fieber das erste Mal ins Klinikum Friedrichshain. Die Diagnose des Kinderarztes: ein Infekt. „Es waren noch keine Hautveränderungen sichtbar“, sagt Vivantes-Sprecherin Fina Geschonneck. Der Arzt schickte das kranke Kind mit einem fiebersenkenden Medikament nach Hause. Die Eltern sollten das Kind aber beobachten und bei Veränderungen wiederkommen.

Doch Philipp ging es immer schlechter. Um 2.30 Uhr riefen die Eltern den Notruf der Feuerwehr an. Die Besatzung des Rettungswagens bemerkte zwar den dunklen Hautausschlag, erkannte die Meningitis aber nicht. „Es ist nicht die Aufgabe der Männer, spekulative Diagnosen zu stellen“, sagte Feuerwehrchef Albrecht Broemme dem Tagesspiegel. Die Besatzung müsse drei Fragen klären: Handelt es sich überhaupt um einen Fall für den Rettungswagen? Ist der Patient transportfähig? In welches Krankenhaus soll man fahren? Zunächst hätten die Sanitäter eine allergische Reaktion auf das fiebersenkende Medikament vermutet. Außerdem bemühten sie sich, den Vater zu beruhigen. Nach rund einer halben Stunde verlor der Mann jedoch die Geduld und brachte seinen Sohn selbst ins Krankenhaus. Wie Broemme berichtete, habe man dem Vater dort nach dem Tod des Jungen gesagt, dass sein Kind bei einer früheren Behandlung noch leben könnte.

Besser als bei den beiden anderen Berliner Meningitis-Todesfällen in diesem Jahr (siehe Kasten) funktionierte diesmal jedoch die vorgeschriebene Meldekette: Das Klinikum informierte sofort telefonisch das Gesundheitsamt, das wiederum die engsten Familienangehörigen vorbeugend mit Antibiotika behandeln ließ. Auch die Besatzung des Rettungswagens erhielt das Medikament, ebenso das betroffene medizinisch Personal des Klinikums.

Feuerwehrchef Broemme wiederum hat organisiert, dass der Vater noch einmal mit den drei Männern des Rettungswagens über das Geschehene sprechen kann: Nach Philipps Beerdigung in der kommenden Woche.

Der Vater will das Klinikum nun verklagen. „Es ist das Recht eines jedes Patienten, gegen das behandelnde Krankenhaus vorzugehen“, sagt Vivantes-Sprecherin Geschonneck. „Wir haben nicht zu verbergen, wir haben nichts falsch gemacht.“

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