Menschen helfen! : Ein letzter Gruß für die Schmetterlingskinder

Der Verein "Frauenworte" steht Eltern bei, deren Baby starb. Die Ehrenamtlichen bitten um Spenden.

Annette Kögel
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Trauernder Engel auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte. Wenn Kinder sterben, verlieren Eltern einen wesentlichen Teil...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Auch in diesem Jahr bittet der Tagesspiegel seine Leserinnen und Leser wieder um Spenden für die Weihnachtsaktion „Menschen helfen!“. 53 Projekte und Initiativen wollen wir bedenken – und stellen in unserer Serie einige stellvertretend vor.



Es gehört wohl zum Schlimmsten, was einem im Leben passieren kann. Die Frau, der Mann sind erst überglücklich, voller Vorfreude auf dieses existenzielle Ereignis: die Geburt ihres Kindes. Und dann diese furchtbaren Schicksalsschläge. Es kommt zu einer Totgeburt, oder wegen einer medizinischen Indikation muss das kleine Wesen abgetrieben werden. Und dann soll das Kind, dass die Eltern schon als ihres lieben, nicht beerdigt, sondern von der Klinik entsorgt werden: Diese Regel gilt für tote Babys unter 500 Gramm, so viel wiegt ein Kind im Mutterleib in der 24. Schwangerschaftswoche. Ein statistisches Viertel aller Schwangerschaften endet mit einer Fehlgeburt.

„Die Eltern sind traumatisiert, voller Schmerz, und wir helfen ihnen dabei, Abschied von ihrem Kind zu nehmen, es doch würdevoll beerdigen zu können“, sagt Christine Rosenwald, 47, aus Neuhütten bei Aschaffenburg vom Projekt „Die Schmetterlingskinder“ des Vereins Frauenworte e.V. Er hat seinen Hauptsitz im brandenburgischen Ketzin, zwei Mitarbeiterinnen werden über Spenden finanziert. Die Initiative ist inzwischen auch im deutschsprachigen Ausland tätig, arbeitet in ganz Deutschland mit 48 Kliniken zusammen. Auch in Berlin kooperiert die Initiative mit vielen Krankenhäusern. „Eine der Frauen aus Berlin, der wir halfen, hatte uns den Artikel über die Tagesspiegel-Spendenaktion geschickt“, sagt Christine Rosenwald, die 1997 ihren Sohn verlor. Die heute dreifache Mutter und Großmutter weiß, wie wichtig es für die Trauerarbeit ist, Abschied zu nehmen.

Deswegen stellt der Ehrenamtlichen-Verein den Kliniken Kleiderboxen zur Verfügung, aus denen sich die betroffenen Eltern unentgeltliche Kleidungsstücke für ihr totes Kind auswählen können. „Die kleinen Kleider und Wickeltücher sind handgefertigt und der Stoff gibt nach. Die Babys sind so winzig und zart, wenn man ihnen die an den Bündchen viel zu engen Puppenkleider anziehen würde, würde man sie verletzen.“

Die ehrenamtlichen Frauen beraten die Mütter und Väter unter Schock, etwa darin, welche Rechte man auf ein Abschiednehmen am Totenbett hat. Außerdem macht „Schmetterlingskinder“ Sammelbegräbnisse möglich oder dass das Baby etwa ins Familiengrab kommt. Fotos, Hand- oder Fußabdrücke können Erinnerungen sein für immer. In der Kleiderkiste liegen auch Abschiedskarten, winzige Windeln, Schlafsäcke und Kissen, die die Eltern sich ebenfalls gratis auswählen können. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Bestatter uns entgegenkommen, manchmal sogar keinen Cent für die Grabstätte verlangen.“ Auch Listen mit solch aufgeschlossenen Instituten packt der Verein in die Boxen für die Krankenhäuser.

Darüber hinaus organisiert „Frauenworte e.V.“ Selbsthilfegruppen für die Angehörigen und Fachseminare für Hebammen und Geburtshelferinnen. „Die Familien sind oft völlig hilf- und auch sprachlos, wie sie mit dem Schicksalsschlag umgehen sollen“, sagt Rosenwald. Im Internet gibt es ein Austauschforum, bei dem man sich nicht erst kompliziert einloggen muss ( http://vbforum.frauenworte.de/index.php) – und über die Notruf-Handynummern 015777232638 sowie 015779250930 erreichen Mütter und Väter rund um die Uhr jemanden, der sie in schwerster Not berät. Das Leid ist unermesslich. Es gibt Frauen, die ihr Kind in der fünften Woche verloren und noch Jahre später daran leiden, in Depressionen verfallen. Annette Kögel

Das Konto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kontonummer 250 030 942, BLZ: 100 500 00. Bitte den Name und Anschrift für den Spendenbeleg notieren – auch beim Onlinebanking. Alles im Internet unter www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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