Menschen helfen! : Kleiner Trost für kleine Kinder

Wenn sich Eltern lieber um harte Drogen kümmern als um ihren Nachwuchs, eilt Kiko zur Hilfe.

Moritz Gathmann

Am Schrank hängen Dutzende bunter Kinderzeichnungen. Eine von ihnen zeigt ein buntes Bär-Katzen-Wesen, umgeben von Herzen und Blumen. Darüber schrieb ein fünfjähriges Mädchen: „Lillibi sagt: Pass gut auf Dich auf!“

„Das passt gut zu unserer Arbeit“, sagt Beate Danlowski, Leiterin von „KiKo“, einer Caritas–Einrichtung in Steglitz, die sich seit Mai um eine Gruppe von Kindern kümmert, die in letzter Zeit wieder zu trauriger Berühmtheit gelangt ist: Kinder, deren Eltern suchtkrank, drogenabhängig oder psychisch krank sind, sie misshandeln, nicht ausreichend ernähren. Um den vernachlässigten Kindern zu helfen, bittet Kiko jetzt dringend um Spenden. Immer wieder geht Spielzeug kaputt, Bastelmaterial wird gebraucht. Außerdem wollen die Sozialpädagogen ihre Schützlinge etwa durch einen Besuch im Zoo oder im Zirkus auf andere Gedanken bringen.

Kiko-Leiterin Danlowski erzählt von einem typischen Fall: Das Jugendamt bekommt einen Anruf von den Nachbarn einer jungen Mutter in Tempelhof. Sie weisen auf die schlechte Verfassung von Jenny, dreieinhalb Jahre, und Claudia, sechs Monate, hin. Die 19-jährige Mutter ist dem Jugendamt bekannt, sie nimmt harte Drogen und trinkt. Die Behörde verfügt die „Inobhutnahme“ und meldet sich bei Kiko, das für Kinder bis zum Alter von acht Jahren zuständig ist.

Die Kiko-Leiterin holt die Geschwister schließlich mit einer Kollegin ab. „Das erste Ziel ist Sicherheit und Schutz für das Kind“, sagt sie. Deshalb werden Jenny und Claudia gebadet, mit Kleidung versorgt und vom Kinderarzt untersucht. Claudia hat stark entzündete Haut, ist außerdem unterernährt. „Oft sind die Kinder sehr vernachlässigt, kennen keine geregelten Mahlzeiten“, erzählt Danlowski.

Die beiden Kinder werden zusammen in einem Heim untergebracht, dessen Adresse geheim gehalten wird. Dann beginnt die höchstens drei Monate lange sogenannte Clearing-Phase: In Gesprächen mit der Mutter handelt Danlowski einen Plan aus. Die junge Frau soll ihr Drogenproblem in einer Klinik behandeln lassen. „Die Kommunikation mit den Eltern ist wichtig: Wir wollen eigentlich nichts gegen ihren Willen tun“, erklärt Danlowski. Doch die Mutter bricht die Therapie ab, erfüllt nicht die Auflagen: Kiko muss für die beiden eine Pflegefamilie finden.

Nur in einem der bisher 13 Fälle konnte das Kind zu den Eltern zurückkommen. Alle Kinder lieben ihre Eltern, auch wenn diese sie schlecht behandeln, aber letztlich geht’s um das Wohl des Kindes: Deshalb hat Kiko in den Bezirken Neukölln, Tempelhof- Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf 290 ausgesuchte Pflegefamilien.

Für ihre Beratungsstunden werden die Sozialarbeiter vom Jugendamt bezahlt, aber für die „Trostpflaster“, so die Kiko- Leiterin, bleibe nichts übrig: „Mal mit den Kindern Eis essen oder was Schönes mit ihnen unternehmen.“ Außerdem braucht Kiko Einrichtungsgegenstände für das Spielzimmer. Dort treffen sich leibliche Eltern und Großeltern mit den Kindern.

Danlowski hat tagtäglich mit Menschen zu tun, die sich in ihrem Leben verfahren haben und ihren Kindern damit schaden. Was sie motiviert? „Zumindest für die Kinder finden wir am Ende immer einen Weg – damit diese eine Chance bekommen.“ Moritz Gathmann

Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kontonummer: 250030942, BLZ: 10050000. Onlinebanking ist möglich. Bitte notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg, den wir dieses Jahr schneller als sonst zuschicken können. Alle Infos im Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion

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