Menschen helfen : Wache Geister im Elisabeth-Stift

Das Elisabeth-Stift in Prenzlauer Berg hat einen neuen Pflegebereich erhalten. Dort werden erstmals jüngere Bewohner von der Einrichtung betreut, die sich sonst vornehmlich um ältere Menschen kümmert. Doch für eine Bibliothek reichte das Geld nicht. Tagesspiegel-Leser können helfen.

Daniela Martens
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Lesestoff gesucht. Die Bewohner des Elisabeth-Stifts würden sich um Unterstützung beim Aufbau ihrer Bibliothek und eines...Foto: David Heerde

Ein Stichwort reicht. Und Uta Graf (Name geändert) hält aus dem Stegreif eine kleine Vorlesung über französische Literatur. Doch die mädchenhaft wirkende Frau steht nicht etwa vor ihren Studenten, sondern liegt sorgfältig zugedeckt in einem Bett im Pflegewohnheim „St. Elisabeth-Stift“ an der Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg, die Arme hinterm Kopf verschränkt.

Draußen ist es schon dunkel, in ihrem Zimmer brennt ein gemütliches Licht. Ihr Geist ist hellwach und sprudelt förmlich über. Für ihren Körper war dieser kalte Dezembertag schon fast zu lang: Nach der Weihnachtsfeier des Heims am Nachmittag konnte sie sich kaum noch aufrecht im Rollstuhl halten. Seit sie als Jugendliche Kinderlähmung hatte, sei sie gehbehindert gewesen, erzählt sie und wirkt dabei dennoch fröhlich. Das habe sie nicht daran gehindert, an der Universität zu unterrichten, sagt die Literaturwissenschaftlerin – bis sie vor eineinhalb Jahren einen Tumor im Rücken bekam und nicht mehr laufen konnte. Deshalb lebt sie jetzt im Wohnbereich „Regenbogen“ des Pflegeheims. Den gibt es erst seit einem knappen halben Jahr, es sei der erste für „jüngere“ Pflegebedürftige in Berlin, sagt Heimleiter Johannes Schramm. Wobei „jünger“ relativ ist: Auch wenn Uta Graf viel jünger wirkt, ist sie 66. Die jüngsten ihrer sechs Mitbewohner sind um die 50. „Wenn man geradewegs aus dem Berufsleben kommt, ist es nicht zumutbar, zwischen altersverwirrten 90- bis 100-Jährigen zu leben“, sagt Schramm. Uta Graf würde das nie so ausdrücken, dazu ist sie zu höflich. „Hier ist es viel angenehmer, man trifft Leute, mit denen man sich tatsächlich unterhalten kann“, sagt sie.

In dem neuen Wohnbereich gehe es vor allem darum, auf die Ansprüche der jüngeren Bewohner einzugehen. Es gibt nicht nur anderes Essen und einen flexibleren Tagesablauf, sondern es sollen auch noch eine Bibliothek, ein Internetcafé und ein Fitnessstudio eingerichtet werden. Doch das alles ist im Budget nicht vorgesehen. Deshalb will der Tagesspiegel hier mit der Spendenaktion helfen. Wie ihr Nachbar Klaus Schulze, ebenfalls 66, vermisst Uta Graf die Sportgeräte aus der Reha. „Da gab’s eins, darauf konnte ich Fahrrad fahren – mit einem Bein“, sagt Klaus Schulze. Aber wichtiger als die Geräte findet er die Nachbarschaft: „Die Frau Doktor und ich, wir haben die gleiche Wellenlänge“, sagt er. „Ich bin nämlich ’n bisschen ’n belesener Hund.“

Spendenkonto: Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kto.-Nr.: 25 00 309 42, BLZ: 100 500 00. Bitte geben Sie Name und Anschrift für den Spendenbeleg an. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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