Berlin : Menschen, Tiere, Mutationen

Hollywood lässt grüßen: die Hauptdarsteller des neuen X-Men-Films zu Gast in Berlin

Sebastian Handke

Am Ende war Licorice doch ganz lieb. Denn sonst, so scherzte Schauspieler Hugh Jackman, fällt der Boston-Terrier jeden Journalisten an, der seine Besitzerin nach Persönlichem und nicht etwa nach dem neuen Film fragt. Der heißt „X-Men – der letzte Widerstand“, den Jackson und seine Kolleginnen Famke Janssen (die Terrier-Halterin) und Halle Berry (die Oscar-Preisträgerin) in Berlin vorstellten. Immerhin verriet Famke Janssen dann doch Privates: Sie teile „bedingungslose Liebe“ – mit Licorice.

„X-Men – der Letzte Widerstand“ ist das große Finale der Trilogie – Hollywoods Verfilmung einer Comic-Reihe über mutierte Superhelden, die in den USA bereits seit 40 Jahren außergewöhnlich populär ist. „Es ist ein kleines Wunder, dass auch diesmal alle wieder mitmachen wollten, obwohl sie vertraglich nicht dazu verpflichtet waren“, sagte Jackman, der einige haarsträubende Actionszenen zu überstehen hatte. „Vor allem, nachdem der Regisseur der ersten beiden Filme ausgestiegen war. Aber Brett Ratner hat sie mit seinem Konzept, das Finale witziger, sexier und emotionaler zu machen, alle überzeugt.“ Halle Berry, Famke Janssen und Hugh Jackman treten darin auf als „Storm“, „Wolverine“ und „Phoenix“, drei Mutanten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten – Fähigkeiten, die sie von den „normalen“ Menschen unterscheiden und die daher Fluch und Segen zugleich sind. „Das ist das Schöne an den X-Men“ sagt Famke Janssen, die hierzulande vor allem aus der Serie „Nip/Tuck“ und als laszive Bond-Gegenspielerin („Golden Eye“) bekannt ist. „Es ist eine Geschichte über Menschen, die mit ihrem Anderssein zurechtkommen müssen. Das hat jeder schon mal erlebt. Ich hoffe, die Botschaft unseres Films wird am Ende deutlich: Unterschiede sind etwas, das man annehmen und an dem man sich erfreuen sollte.“

Das Schlussstück der Trilogie treibt das Problem auf die Spitze: Als ein Heilmittel gegen die Mutationen auftaucht, stehen die Helden vor der Frage, ob sie einen Teil ihrer Individualität aufgeben wollen, um sich besser in die Gesellschaft einfügen zu können. Einer der Mutanten wird diesen Schritt am Ende auch freiwillig vollziehen. „Wir haben diese Szene in zwei Varianten gedreht“, berichtet Jackman, „und bis zuletzt gab es große Diskussionen darüber, welche im Film zu sehen sein soll.“

Halle Berry, die erste dunkelhäutige Schauspielerin, die es zu Oscar-Ehren brachte, hat schon viel Erfahrung mit dem Anderssein machen müssen: „Als ich sehr jung war, habe ich das gar nicht wahrgenommen, obwohl ich mit vielen weißen Kindern zur Schule ging. In der dritten Klasse kam dann meine Mutter erstmals in die Schule. Sie ist weiß und blauäugig, und das fanden alle sehr seltsam. Es war das erste Mal, dass mir meine Umwelt das Gefühl gab, es sei etwas nicht in Ordnung mit mir.“ Auf die Frage, welches der Mutanten-Talente die Darsteller selbst gerne hätten, wenn sie wählen dürften, gab Berry daher auch ein entschlossenes „keines“ zur Antwort.

Famke Janssen würde gerne heilen können. Und Hugh Jackman wäre gerne wie Mystique, die Formwandlerin unter den Mutanten. „Stellen sie sich vor, ich könnte jede beliebige Gestalt annehmen. Da würde ich doch jedes Jahr den Oscar gewinnen!“ Ob er als Hauptdarsteller eines Filmes, der sich um eine ausgeschlossene Minderheit dreht, auch selbst eine aktiv unterstütze, wollte ein Journalist dann noch von dem Australier wissen. „Klar“, gab Jackman zur Antwort, „die australische Fußballmannschaft!“

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