Berlin : Menschliche Probleme in Spandau Hedergott kämpft um den Stadtrat-Posten

Rainer W. During

Auch im vierten Anlauf bekam er keine Mehrheit. Der Sozialdemokrat Axel Hedergott, bisher Stadtrat für Finanzen und Bürgerdienste in Spandau, steht seit November 2006 im Mittelpunkt eines bezirkspolitischen Machtkampfs. Früher hat er mit Innovationen wie dem Gebührenzahlautomaten im Rathaus und dem Mobilen Bürgeramt für Aufmerksamkeit gesorgt. Jetzt schafft es der 56-jährige SPD-Mann nicht mehr, ins Bezirksamt gewählt zu werden. Sein verwaistes Ressort wird vorerst von der Jugendstadträtin Ursula Meys (SPD) mitbetreut.

Erst seit 1985 ist Hedergott Mitglied der SPD. Viele Jahre war er Planungsbeauftragter des früheren Bezirksbürgermeisters Werner Salomon und wechselte 1992 als Amtsdirektor ins havelländische Ketzin, um dort den „Aufbau Ost“ voranzutreiben. 1999 kehrte der SPD-Mann nach Spandau zurück und wurde Bezirksstadtrat. Zuletzt hat Hedergott über ein Jahr zusätzlich das vakante Sozialressort verwaltet, gerade erst genesen von einer schweren Krankheit.

Namhafte Christdemokraten hatten der SPD noch im Oktober 2006 die Wiederwahl Hedergotts zugesichert. Doch kurz vor der Bezirksamtswahl signalisierte die Zählgemeinschaft von CDU, FDP und Grauen plötzlich, dass sie Hedergott ablehnen werde. Die Spandauer Sozialdemokraten vermuten einen Zusammenhang mit einer Strafanzeige, die der ehemalige SPD-Bezirksverordnete Bernd Venzke erstattetet hatte. Es ging dabei um die Konditionen für die Neuvergabe des Ratskellers, für die aber der Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU) verantwortlich zeichnete. Das Verfahren gegen Hedergott wurde längst eingestellt. Venzke erklärte inzwischen, dass seine Informationen gar nicht von Hedergott, sondern aus dem Bürgermeisterbüro stammten.

Offiziell werfen die Fraktionschefs Arndt Meißner (CDU) und Paul Fresdorf (FDP) Hedergott unkollegiales Verhalten und Fehler bei Immobilienfragen vor. Da könne er jederzeit den Gegenbeweis antreten, sagt der bisherige Stadtrat. Der SPD-Politiker räumt lediglich ein, bisweilen „unbequem“ zu sein. In der Sache könne man streiten, doch sei er auch mit politisch Andersdenkenden stets „sehr kollegial“ umgegangen.

Obwohl die Mitglieder der Zählgemeinschaft weiterhin Ablehnung signalisieren, sieht der SPD-Kreisvorsitzende Swen Schulz doch einen Fortschritt. Denn beim vierten Anlauf zur Stadtratswahl am Mittwoch habe Hedergott zwei Stimmen mehr als im November bekommen. Und so wird ihn die SPD am 28. Februar erneut zur Wahl stellen. Eine klare Frist für die Komplettierung des Bezirksamtes gibt es nicht. „Mehr als das beklagen kann man im Moment wohl nicht“, meint Andreas Schmidt von Puskas, der in der Senatsinnenverwaltung für die Aufsicht der Bezirke zuständig ist.

Er sei den Kritikern gegenüber aufgeschlossen, sagt Hedergott und spricht von „Äußerlichkeiten im mitmenschlichen Bereich“. Eine Unterredung mit der FDP bewog die Liberalen bisher zu keiner Meinungsänderung. Die CDU hat auf ein Gesprächsangebot der SPD nicht reagiert. „Das berührt mich“, sagt Hedergott. Seine Arbeit für den Bezirk habe ihm Spaß gemacht, außerdem habe er einiges bewegt. Das wolle er gerne fortsetzen.

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