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Messe im Schloss Charlottenburg : Preußenkulisse für den Papst

Die Planungen des Papst-Besuches in Berlin werden konkreter: Der Vatikan findet Gefallen an einer Messe vor dem Schloss Charlottenburg. 40.000 Menschen finden dort Platz – und auch die Blümchen bleiben heil.

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Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschland-Besuch 2005.
Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschland-Besuch 2005.Foto: DPA

Der Vatikan scheint ein Plätzchen gefunden zu haben für die Messe des Papstes in Berlin. Und ja, sie soll öffentlich sein. Als einer der Favoriten gilt das Schloss Charlottenburg. „Der Vatikan hat großes Interesse an einer Messe vor dieser schönen Kulisse“, berichtet ein mit den Plänen befasster Organisator. Offiziell will sich der Vatikan erst nächste Woche äußern zu den Plänen am 22. September; dann wird Benedikt XVI. in Berlin erwartet. Senatssprecher Richard Meng sagt nur so viel: Man sei involviert, „es ist aber Sache der Deutschen Bischofskonferenz, das Programm mitzuteilen – dies soll am nächsten Dienstag erfolgen.“

Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, heißt es auch bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), die sich um das Schloss Charlottenburg kümmert. „Aber ja, eine Begehung hat stattgefunden.“ Konkret gehe es um den großen gepflasterten Platz vor dem Schloss, wo sonst der Weihnachtsmarkt stattfindet, dort passten 40 000 Menschen hin. Mit so vielen Besuchern rechnen Kircheninsider. Eine Messe auf der Schlossgartenseite stünde nicht zur Debatte – „das würde unseren Blumen im Garten nicht so gut tun“, sagte SPSG-Sprecher Ulrich Henze. Die Vorfreude sei groß. „Wir hatten schon viele Staatsgäste, den Heiligen Vater noch nicht.“

Es geht bei der Standortsuche auch um Sicherheitsfragen, wie Organisatoren berichten. So sei das Schloss gut gegen mögliche Störer abzuschirmen: Im Norden durch die S-Bahntrasse, im Osten durch die Spree, vorn der Spandauer Damm, der an jenem Herbsttag gesperrt werden könne wie etwa 1996 beim Bundeswehrgelöbnis oder bei Staatsbesuchen.

Das Schloss ist nicht der einzige Messeort auf der Liste: Der Reisemarschall des Vatikans schaute sich die Wuhlheide an, den Bebelplatz und Gendarmenmarkt. Diese scheiden alle aus. Der Bebelplatz ist zu klein, zumal die Staatsoper wegen ihres Umbaus eingerüstet sein wird. Der Gendarmenmarkt wäre wegen der umliegenden dichten Bebauung schwer zu sichern. Die Wuhlheide liegt zu abgelegen.

Im Gespräch, so ist aus Kirchenkreisen zu hören, soll aber noch immer das Olympiastadion sein, auch die Waldbühne wurde genannt. Da es selbst für den Papst schwierig werden dürfte, an einem Werktag – der 22. September ist ein Donnerstag – in Berlin 100 000 Gäste für einen Gottesdienst ins Olympiastadion zu locken, könnte dort eine kleinere Bühne direkt vor der Vip-Tribüne – und nicht wie bei Konzerten am Marathontor – aufgebaut werden. Der Papst würde somit nicht auf leere Ränge schauen; die Staatsgäste hätten im vierstöckigen Vip-Bereich hinter der Tribüne viel Komfort.

Die gesamte Reise ist terminiert vom 22. bis zum 25. September.

Die groben Planungen sehen vor, dass der Papst am 22. September vormittags in Tegel landen und von Bundespräsident Christian Wulff (CDU) in Schloss Bellevue empfangen wird. Im Verlauf des Tages wird Benedikt als erster Papst eine Rede im Bundestag halten und mit der Kanzlerin und dem Kabinett zusammenkommen. Am Nachmittag oder Abend könnte die Messe gefeiert werden.

In Berlin will der Papst auch Vertreter der jüdischen und der muslimischen Gemeinde treffen. Auch dies müsste am Donnerstag oder spätestens am Freitagvormittag geschehen. Denn am Freitagmittag kommen Muslime zum Freitagsgebet zusammen, am Nachmittag beginnt für Juden der Schabbat. Außerdem will der Papst am Freitagvormittag nach Erfurt fliegen – nicht zuletzt deswegen, weil am Freitag die ersten Straßen gesperrt werden für den Berlin-Marathon.

Der Papst ist in der Nuntiatur, der Botschaft des Vatikanstaates in Deutschland, in der Kreuzberger Lilienthalstraße am Südstern untergebracht. Da das Programm am Donnerstag dicht gedrängt sein wird, sind sich die Reiseplaner nicht sicher, ob Zeit für eine Fahrt mit dem Papamobil durch die Stadt sein wird. Beim letzten Papst-Besuch 1996 – damals hielt Johannes Paul II. die Messe im Olympiastadion – kam es zu Protesten.

 

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