Messerangriff : "Amoklauf passt nicht zum Schüler"

Der blutige Amoklauf am Rande der Eröffnung des Hauptbahnhofs in Berlin hat an der Schule des 16-jährigen Tatverdächtigen Entsetzen ausgelöst. Auch der Schuldirektor kann sich die Tat nicht erklären.

Berlin - «Das passt überhaupt nicht in das Bild, das ich von diesem Jugendlichen habe», sagte der Leiter der Johann-Thienemann-Hauptschule in Steglitz, Olaf Garcke, am Montag der dpa. «Er ist ein netter und höflicher Schüler. Ich kann es mir nur so erklären, dass er zwei Gesichter hatte.» Allerdings sei der Junge bereits in der Grundschule durch Schulschwänzen und Rangeleien mit Mitschülern auffällig geworden.

Im vergangenen Jahr war der 16-Jährige, unter anderem weil er Lehrer beleidigt und gestohlen hatte, von der Leistikow-Hauptschule im Stadtteil Zehlendorf an die Johann-Thienemann-Schule versetzt worden. «Die Taten waren im Einzelnen nicht gravierend, aber insgesamt doch bedenklich», betonte Garcke. «Er sollte bei uns die Chance für einen Neuanfang bekommen. Unsere Schule ist eine der ruhigsten Hauptschulen in ganz Berlin, Gewalt spielt bei uns kaum eine Rolle.» Der Jugendliche kam probeweise in die 9. Klasse, wurde aber wegen mangelnder Leistungen in die 8. Klasse zurückgesetzt.

Auch an der neuen Schule fiel der Junge wieder auf. So erhielt er unter anderem einen Tadel, weil er auf einem Schul-PC Internetseiten mit Gewaltdarstellungen angesehen hatte. Wegen des Vorfalls musste er ein Antigewalttraining absolvieren, der Junge habe sich aber auch selbst an die Schulpsychologin gewandt, erläuterte Garcke. «Immer wieder schwänzte der 16-Jährige die Schule, auch nachdem wir den Vater informiert hatten.» Das Fass zum Überlaufen brachte der Schüler anscheinend, als er in der Schule ein Butterflymesser bei sich trug. «Danach wurde entschieden, der Jugendliche muss in einer kleineren Gruppe betreut werden.»

So sollte er in ein Programm für «Schuldistanzierte» an einer anderen Schule aufgenommen werden. Im nächsten Schuljahr sollte er einen berufsvorbereitenden Lehrgang besuchen und möglicherweise den Hauptschulabschluss machen. Der 16-Jährige sei ein Scheidungskind, das aber gelte für viele seiner Schüler. «Er kam aus geordneten Verhältnissen und lebte mit seinem Vater in einer vernünftigen, ausreichend großen Wohnung.»

(tso/dpa)

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