Berlin : Messers Schneide

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Von Andreas Conrad

Es kommt einmal der Tag, da muss ein junger Mann sich entscheiden: Trocken oder nass? Das ist nicht einfach eine technische Frage, nein, ganze Lebensentwürfe verbinden sich mit dem Problem der individuellen Barthaar-Entfernung. Kann man sich beispielsweise James Bond, manchem Jungmann schon angesichts seiner zahlreichen Gefährtinnen ein leuchtendes Vorbild, beim Gebrauch eines Elektrorasierers vorstellen? Kann man nicht, und so war es nur logisch, dass die Firma Wilkinson vor einigen Jahren ihr Modell „Sword“ als absolut 007-tauglich anpries. Zwar hat sich Pierce Brosnan in „Golden Eye“ nie damit rasiert, nicht im Stehen, nicht im Liegen und erst recht nicht beim freien Fall aus den Wolken. Aber zutrauen würde man es dem obersten Geheimagenten Ihrer Majestät ohne weiteres, möglich also, dass die Idee zu der luftigen Nass-Wette in Gottschalks jüngster Sendung beim Gebrauch eines Bond-Rasierers entstanden ist.

Und ist es nicht ebenfalls nur zu verständlich, dass ausgerechnet zwei Berliner, Lars Bochmann und Sascha Wawrow, darauf verfallen sind, sich beim Fallschirmabsprung zu balbieren? Steht doch hier seit Jahr und Tag immer alles auf Messers Schneide, man frage nur unseren werten Herrn Finanzsenator. Dennoch muss von Nachahmung dringend abgeraten werden, und besonders vom Gebrauch eines altertümlichen Rasiermerssers, wenngleich dies die Spannung erhöhen würde, ist Abstand zu nehmen. Sonst sähe man womöglich, frei nach Ludwig Uhland, zur Rechten wie zur Linken einen halben Berliner herniedersinken.

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