Messerstecher-Prozess : Staatsanwalt fordert sechseinhalb Jahre Jugendhaft

Im Prozess um den tödlichen Messerangriff auf einen Oberschüler in einem BVG-Bus in Köpenick hat der Staatsanwalt sein Plädoyer gesprochen. Er forderte sechseinhalb Jahre Jugendhaft für den Angeklagten.

Berlin - Der mutmaßliche Täter, ein arbeitsloser 19-Jähriger aus Neukölln, soll im Dezember 2005 einen 18-jährigen Oberschüler in einem Bus der Linie 167 mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser erstochen haben. Das Opfer sei aus einem nichtigen Anlass mit einem heftigen und gezielten Stich in die Brust getötet worden, sagte der Staatsanwalt. Seiner Überzeugung nach stach der Jugendliche zu, um zu zeigen, dass er sich traue.

Eine Bemerkung des späteren Opfers, wonach er doch zustechen solle, weil die Kameras im Bus sowieso alles aufzeichnen würden, hat der Angeklagte dem Staatsanwalt zufolge «tatsächlich zum Anlass genommen», um zu töten. Im Prozess sagte der 19-Jährige dazu, er habe gegenüber seinen Freunden nicht feige dastehen wollen.

"Erheblich gewaltbereit"

«Einem Menschen ein so langes Messer in die Brust zu rammen, da liegt der Tötungsvorsatz auf der Hand», hieß es im Plädoyer. Der Staatsanwalt bezeichnet den 19-Jährigen als «erheblich gewaltbereit». Er ist der Polizei seit seinem 15. Lebensjahr bekannt, im Sommer 2004 war er wegen Raubes verurteilt worden.

Der Angeklagte, der in den Tag hinein lebte, sei gemeinsam mit zwei Freunden ziellos mit dem Bus durch die Stadt gefahren, um möglicherweise jemanden «abzuziehen». Als das spätere Opfer und dessen Freundin unterwegs zustiegen seien, habe ein gleichaltriger Begleiter des Angeklagten die Freundin des Oberschülers «unablässig belästigt» und den 18-Jährigen schließlich mit einer Glasflasche bedroht, als er ihr helfen wollte. Der Angeklagte habe keine Veranlassung gesehen, seinen Freund davon abzuhalten. Er habe noch «lautstark darüber gelacht» und schließlich das Messer gezogen.

Die Verteidigung kündigte an, auf eine geringere Jugendstrafe wegen Totschlags im minderschweren Fall zu plädieren. Das Urteil soll am Montag verkündet werden. (tso/ddp)

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