Berlin : Messerstiche auf dem Schulhof

Harald Olkus

Bei einer Messerstecherei auf einem Reinickendorfer Schulhof wurde gestern Vormittag ein 15-jähriger Schüler schwer verletzt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo seine etwa 4,5 Zentimeter tiefe Stichwunde am Oberschenkel behandelt wurde. Die Wunde befindet nicht in der Nähe der Schlagader, teilte die Polizei mit. Bei dem Täter handelte es sich um einen 14 Jahre alten Mitschüler des Opfers. Die Polizei nahm ihn zunächst fest und brachte ihn dann zu seinen Eltern. Gegen ihn wird jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Die Hintergründe der blutigen Auseinandersetzung auf dem Hof der 3. Hauptschule an der Frohnauer Straße in Hermsdorf sind derzeit noch ungeklärt. Bei Schüler gerieten während der Pause gegen 11.40 Uhr in Streit und prügelten sich. Dabei flogen zunächst die Fäuste. Plötzlich habe der 15-Jährige ein Messer in der Hand gehalten und zugestochen, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Der Jugendliche behauptete in seiner späteren Vernehmung durch die Polizei, einer der umstehenden Schüler habe ihm das Taschenmesser mit der 4,5 Zentimeter langen Klinge zugeworfen. Im Krankenhaus wurde bei dem Opfer auch am Rücken eine oberflächliche, leicht blutende Schnittwunde festgestellt.

Messerstechereien gab es in den vergangenen Jahren immer wieder auf Berliner Schulhöfenen. Im Januar 1999 hatte ein 14-Jähriger nach einem Streit einem 15-jährigen Mitschüler ein Butterfly-Messer in den Bauch gerammt. Diese Bluttat in der Kurt-Löwenstein-Hauptschule geschah wie die in Reinickendorf gestern in der großen Pause und auf dem Schulhof. Salih H. konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

1998 hatte die Polizei nach einer Häufung von Gewalttaten in der Zehlendorfer Leistikow-Hauptschule bei einer Razzia zwei Messer und zwei Gaspistolen beschlagnahmt; sieben Schüler wurden vorläufig festgenommen. Der Schulleiter sagte damals, dass die Zahl der Gewalttaten zwar abgenommen habe, in der Qualität aber "um so brutaler" geworden sei.

Die meiste Gewalt gibt es an Hauptschulen, sagen auch Experten. Gymnasiasten ziehen im Konfliktfall weniger die Faust, sondern suchen das Gespräch. "Sie sind eher in der Lage, Konflikte verbal zu lösen", hatte Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen nach der spektakulären Tötung einer Lehrerin durch einen 14-Jährigen in Meißen dem Tagesspiegel gesagt. Dieser Fall hatte im November 1999 bundesweite Schlagzeilen gebracht. Der Hauptschüler hatte damals eine Ankündigung vom Vortag wahrgemacht und während einer Schulstunde die Geschichtslehrerin vor den Augen der Klasse erschossen.

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