Berlin : Messerstiche: Trotzdem verzeiht die Ehefrau ihrem Mann

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Mit einer Verurteilung zu sechs Jahren Gefängnis wegen versuchten Totschlags endete am Freitag vor dem Landgericht der Prozess gegen Rama B. Der aus Jugoslawien stammende 33 Jahre alte Familienvater hatte im Mai dieses Jahres aus Eifersucht mehrfach mit einem Messer auf seine Frau Traika B. eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt.

Immer wieder hatte Rama B. geargwöhnt, seine Frau unterhalte Beziehungen zu anderen Männern. Dies warf er ihr mehrfach vor. So auch am 2. Mai. Um ihre Ruhe zu haben, hatte die vierfache Mutter versucht, ihren Mann dadurch zu beschwichtigen, dass sie ihm beipflichtete - obwohl es nicht der Wahrheit entsprach: "Ja, du hast Recht..." Weiter kam sie nicht. Der alkoholisierte Rama B. ergriff ein Küchenmesser und stach voller Wut auf seine Frau ein. Die durch zahlreiche Messerstiche lebensgefährlich verletzte Traika B. konnte sich damals nur durch einen Sprung aus dem Fenster vor weiteren Attacken ihres Mannes retten. Bei dem Sprung aus dem vierten Stock brach sie sich ein Bein und die Wirbelsäule. Drei Monate verbrachte sie im Krankenhaus. Seitdem wird sie in einer Rehabilitationsklinik behandelt.

Dennoch ging die Kammer von einem minder schweren Fall des versuchten Totschlags aus, weil man zu Gunsten des Angeklagten nur von einem bedingten Tötungsvorsatz ausgehen könne. Weitere Milderungsgründe, wie die beengten Lebensverhältnisse der in einem Zimmer in einem Marzahner Wohnheim lebenden Familie, mochte die Kammer nicht gelten lassen. Auch der Umstand, dass seine Frau ihm verziehen hat, sei kein Grund für einen Strafverzicht. "Eine weniger harte Bestrafung wäre der Tat nicht angemessen", sagte der Richter. Beim Prozessauftakt hatte Trajka B. überraschend ausgesagt, sie werde die Kinder aus dem Heim holen und auf ihren Mann warten, bis er wieder das Gefängnis verlassen dürfe. "Ich will ihn nicht anklagen. Ich habe ihm verziehen", so die schwer verletzte Frau vor Gericht.

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