Metalkneipen in Berlin-Friedrichshain : Kuschelrock muss draußen bleiben

Im Friedrichshainer Nachtleben geht es hart zu – vielleicht gibt deshalb so viele Kneipen, in denen sich Heavy-Metal-Fans zu Hause fühlen.

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Im Rockcafé Halford präsentiert Chefin Simone Rappoldt den überlebensgroßen Rob Halford.
Im Rockcafé Halford präsentiert Chefin Simone Rappoldt den überlebensgroßen Rob Halford.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Auf einem Foto hinter dem Tresen ist sie in ihrer ganzen Pracht zu sehen, die überlebensgroße Figur von Rob Halford, dem Maskottchen des "Rockcafés Halford" in der Mainzer Straße in Friedrichshain. Die riesige Plastik des Sängers der englischen Heavy-Metal-Band Judas Priest bewachte bei den zig Inkarnationen der Metalkneipe, die in ihrer nun bald 25-jährigen Geschichte sieben Mal umgezogen ist, immer den Eingang des Ladens, wies Rockern und Metal-Fans den Weg.

Nun steht Rob, immer noch in seiner Metalsänger-Pose und in stilechter Leder-und-Nieten-Montur, etwas verloren in einer Ecke der Kneipe herum. Das Ordnungsamt, erklärt "Halford"-Mitbetreiberin Simone Rappoldt, die den Laden mit ihrem Mann Sven schmeißt, habe etwas dagegen gehabt, dass die Statue des „zweitwichtigsten Mannes in meinem Leben“ wieder direkt vor der Tür steht. Also habe man dem armen Kerl einfach die Beine abgesägt, damit er wenigstens in den Innenraum der Kneipe passt.

"Welcome Metal Heads of the World"

Das "Halford" ist eine von zig Metalkneipen, die es in Friedrichshain gibt und neben „Paule’s Metal Eck“ die bekannteste Kiez-Absteige für Fans der etwas härteren Gangart. „Welcome Metal Heads of the World“ steht auf einem Schild an der Tür, das nun anstelle von Rob die Gäste begrüßt. In der Kneipe dröhnt natürlich Metal aus den Boxen, auf mehreren Bildschirmen schütteln Langhaarige in Video-Clips ihre Mähnen und auf der Getränkekarte steht eine Auswahl von „20 Heavy Metal Cocktails“, allesamt benannt nach berühmten Szene-Bands.

Die Chefin trägt eine schwarze Kutte mit „Halford“-Schriftzug auf dem Rücken, ihren linken Oberarm schmückt ein Fan-Tattoo, gewidmet der britischen Metalband Saxon. Simone Rappoldts Erscheinung sagt alles: Kuschelrock gibt’s woanders, hier geht’s um ohrenbetäubenden, berstenden, schonungslosen Metal. Für ein längeres Gespräch habe sie gerade keine Zeit, erklärt sie und zeigt auf zwei Gäste am Tresen, die auf ihre Biere warten. „Die beiden können alle Fragen wahrscheinlich noch besser beantworten als ich. Die kommen schon fast so lange ins Halford, wie es die Kneipe gibt.“

Die Musik ist gerade so laut, dass man sich noch unterhalten kann

Alex Hey und Robert Rahn, beide ebenfalls in „Halford“-Klamotten gehüllt, erzählen bereitwillig und sagen immer „wir“, wenn sie eigentlich die Kneipe meinen – Metaller in Reinkultur. Natürlich waren sie schon in Wacken bei einem der weltweit größten Metal-Festivals und, keine Frage, all die anderen Metalkneipen im Kiez kennen sie auch gut: Das „Brutz und Brakel“ etwa, die „Wikingerbar“, wo Met ausgeschenkt wird und das „Blackland“ an der Grenze zu Prenzlauer Berg, wo musikalisch noch mal eine Schippe draufgelegt wird. Aber im „Halford“ sei es am besten, beteuert Robert Rahn. Die Einrichtung gefalle ihm, das Interieur aus Schädeln und Monsterfiguren. Und eine Sache, die man von einem Metal-Fan vielleicht nicht erwarten würde: „Die Musik ist hier nie so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten kann.“

Ein bis zwei Mal die Woche kommen die beiden Stammgäste aus Lichtenberg ins "Halford". Nicht nur wegen der Musik und wegen des Biers, sondern auch, „um sich zu informieren, um mitzukriegen, was so läuft in der Szene.“ Dass das "Halford", in unmittelbarer Nähe zur Ausgehzone Simon-Dach-Straße gelegen, stark von Touristen frequentiert wird, finden die beiden darum sogar richtig gut. „Man kommt hier leicht mit Menschen aus aller Welt ins Gespräch“, sagt Alex Hey. „Metal verbindet, wie es bei keiner anderen Musikrichtung der Fall ist.“

Gäste aus der ganzen Welt

Touristen, klar, die kommen in Scharen auch in „Paule’s Metal Eck“, mitten auf der Simon-Dach-Straße. Sarah Drews, die Tochter des Kneipenbetreibers, steht hinter der Theke und zählt auf: „Schottland, Irland, Spanien, Dänemark, Chile ...“ und das geht noch lange so weiter. „Das Metal Eck gibt es jetzt seit 19 Jahren und es ist weltweit eine Adresse unter Metallern“, sagt sie. Warum das so ist? Kann sie nicht sagen, aber gut für’s Geschäft ist es allemal.

Anders als Simone Rappoldt vom „Halford“ sieht sie nicht unbedingt aus wie eine Rockerin und sagt selbst, dass sie auch mal ganz andere Musik als Metal hört. Welche Band gerade angesagt ist, wisse sie auch nicht, aber dafür gibt es ja die Stammgäste in „Paule’s Metaleck“. Und dann kommt es auch gleich aus einem an der Theke herausgeschossen: „Gorefest“ ist die Band der Stunde, behauptet Jens.

Ein Naserümpfen für System of a Down

„Paule’s Metal Eck“ wird auch von Alex Hey und Robert Rahn, den eingefleischten Metallern, nicht als Touri-Falle gesehen. Internationales Publikum finden sie gut, Szene-Dünkel scheint ihnen fremd zu sein. Nur bei der Musik müsse man drüben im „Metal Eck“ gelegentlich Abstriche machen, sagt Alex Hey und rümpft die Nase. „Die spielen auch mal was von System of a Down.“

„Halford“-Chefin Simone Rappoldt, die ja eigentlich keine Zeit für die Presse haben wollte, hört inzwischen nicht mehr auf, gemeinsame Fotos von Rob Halford, dem imposanten Schutzheiligen der Kneipe, und ihrem Mann Sven, sowie Videos von dessen alter DDR-Band mit dem wunderbaren und sehr logischen Namen „Metall“ zu zeigen. In den Clips hatte er noch Haare, die seien jetzt weg. Aber das macht nichts: Rob Halford hat ja schließlich auch längst eine Glatze.

Metalkneipen in Berlin:

Blackland, Lilli-Henoch-Straße 1, täglich von 18 Uhr bis Mitternacht

Brutz und Brakel, Proskauer Str. 13, Donnerstag bis Samstag, 20 bis 6 Uhr

Feuermelder, Krossener Str. 24, täglich 12 bis 3 Uhr

Paule's Metal Eck, Krossener Str. 15, täglich ab 19 Uhr

Rockcafé Halford, Mainzer Str. 15, täglich 19 bis 3 Uhr

Rock-Wikingerbar, Dolziger Str. 24, Montag bis Samstag ab 19 Uhr

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