Berlin : Metronetz: BVG übt Selbstkritik

Internes Papier bestätigt Probleme beim neuen Linienkonzept. Bahnen und Busse sind oft überfüllt, Fahrgäste müssen warten

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Offiziell ist die BVG mit der Umsetzung ihres neuen Linienkonzepts „BVG 2005 plus“ zufrieden, intern mehren sich aber die kritischen Stimmen, die den Unmut vieler Fahrgäste bestätigen. Die Kunden müssen sich nicht nur auf neue Linienverläufe einstellen. Oft sind die Fahrzeuge auch so voll, dass Fahrgäste an Haltestellen zurückbleiben müssen. Die Zahl der „Vollmeldungen“ hat erheblich zugenommen. Waren es bisher durchschnittlich täglich 20 bis 35, stieg der Wert am Dienstag auf 255 und am Mittwoch auf 234, wie es in einem internen Papier heißt. Heikel sei es vor allem vor Unterrichtsbeginn in den Schulen.

Schüler haben bereits Konsequenzen gezogen. Wo Busse sehr voll sind oder die Schule nur mit Umsteigen erreicht werden kann, gehen viele Schüler jetzt zu Fuß. Und wer läuft, braucht auch keinen Fahrschein mehr. Der Trend kann sich hier noch verstärken, wenn die BVG und die SBahn wie geplant die Preise erhöhen und das Geschwisterticket streichen. Unterschätzt hat die BVG offensichtlich auch die Nachfrage auf der neuen U-Bahn-Linie U3, die nur noch zwischen Nollendorfplatz und Krumme Lanke fährt. Weil die Züge auf der U 3 Richtung Freie Universität zu Vorlesungszeiten überfüllt waren, setzt die BVG hier wieder Züge mit acht Wagen ein. Vorher glaubte sie, mit sechs Wagen auskommen zu können

Auf dem Abschnitt Richtung Krumme Lanke fahren die Züge im Fünf-Minuten-Abstand häufiger als vor dem Fahrplanwechsel, im Kreuzberger Teil kommt die U 1 dagegen seltener. Weniger Fahrten gibt es auch auf der U 5, wo die Züge nun ebenfalls voller sind. Weil die BVG abends Bahnen auch auf Zwischenstationen enden lässt, müssen Fahrgäste zwischen Kreuzberg und Zehlendorf zum Teil sogar zwei Mal umsteigen.

Auch die Busse auf dem Kurfürstendamm sind häufig überfüllt. Hier fahren unter anderem die neuen Metrolinien M 19 und M 29. BVG-Sprecher Klaus Wazlak führt die vollen Fahrzeuge vor allem auf den Weihnachtsverkehr zurück. Da auch der Autoverkehr zugenommen habe, blieben Busse und Straßenbahnen zudem im Stau stecken. Probleme werden in dem internen Papier auch bei der Metrotram M 6 im Bereich Chausseestraße/Schwartzkopffstraße bestätigt. Dort fahren die Bahnen nur noch alle 20 Minuten – mit Verspätungen bis zu zehn Minuten.

Dass Fahrgäste auch am Alex vor überfüllten Straßenbahnen standen – und stehen – , hält die BVG für nicht so schlimm. Dort fahren die Bahnen fast im Drei-Minuten-Abstand, so dass man nicht lange auf die nächste Bahn warten müsse.

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