Berlin : Metropol: Investor wirft Finanzsenator Wortbruch vor

Der Ton im Streit ums denkmalgeschützte Theater an der Friedrichstraße wird schärfer. Wowereit schaltet sich ein, Dienstag fällt die Entscheidung

Matthias Oloew

Der Streit um den Verkauf des Metropol- Theaters an der Friedrichstraße zwischen den potenziellen Käufern und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) spitzt sich zu. „Man kann doch nicht so tun, als wäre alles null und nichtig“, sagt Falk Walter dem Tagesspiegel, „das ist Wortbruch.“ Er ist der Chef der Treptower Veranstaltungshalle „Arena“ und hat mit seinem Gebot vom Liegenschaftsfonds des Landes den Zuschlag für das denkmalgeschützte, aber sanierungsbedürftige Theater erhalten. Heute Nachmittag wird Walter seine Pläne dem Regierenden Bürgermeister vorstellen. Wie berichtet, will Sarrazin den unterschriftsreifen Vertrag zurückziehen und das Haus erneut ausschreiben, um mehr Geld dafür zu bekommen. Er wäre auch bereit, das Theater abreißen zu lassen.

Falk Walter und seine Kompagnons haben für das Haus eine Million Euro geboten und wollen es denkmalgerecht für rund zehn Millionen Euro sanieren. Nach ihren Plänen würde aus dem Metropol wieder das, was das Haus (der ehemalige Admiralspalast) einmal war: ein Amüsiertempel mit Theater, Bars einem Restaurant und dem Kabarett „Die Distel“. Andere Bieter, die das Haus ebenfalls sanieren wollten, wie etwa die Fundus-Gruppe, boten viel weniger, manche nur den obligatorischen einen Euro. Mehr Geld springt für die Landeskasse nur heraus, wenn das Metropol mit dem Nachbargrundstück zusammen verkauft und das Haus abgerissen werden darf. Sarrazin argumentiert, das Land müsse für seine Grundstücke Maximal-Preise erzielen, wenn eine Klage auf finanzielle Hilfe vom Bund Erfolg haben soll.

Sarrazin provoziert mit seiner Forderung nach Aufhebung des Denkmalschutzes Streit nicht nur mit den Investoren, sondern auch Unbehagen unter seinen Senatskollegen und Parteigenossen. „Den Denkmalschutz kann nur der Bausenator aufheben“, sagt Bausenator Peter Strieder (SPD) nüchtern. Klaus Wowereit (SPD) will zu Beginn der Woche mit beiden reden, am Dienstag steht das Metropol wieder auf der Tagesordnung des Senats. Sarrazins Sprecher Matthias Kolbeck beeilt sich klarzustellen, dass der Senat in der Ausschreibung für das Metropol eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes nicht vorgeschrieben habe. „Denkbar wäre auch ein Teil-Abriss. Oder die Fassade bleibt erhalten“, erklärt Kolbeck. Damit wäre aber das Kulturdenkmal mit hohem Symbolwert verloren. Dies für die Stadt zu erhalten war allerdings der politische Wunsch aller Seiten – mit Ausnahme Sarrazins.

„Ich finde es bedauerlich, wie ein für beide Seiten positiver Vertrag so leicht zur Disposition gestellt wird“, sagt Falk Walter. Unverständlich ist für ihn außerdem, warum Sarrazin das Tempodrom entschulden, das Metropol aber aufgeben will, und wundert sich, wie der Finanzsenator mit dem ihm unterstellten Liegenschaftsfonds umgeht. Die Arbeit des Fonds lobt Walter als „schnell, kompetent und zuverlässig“. Es wäre das erste Mal, das ein vom Liegenschaftsfonds vorbereiteter Vertrag nicht den Senat passiert.

Von der Situation alarmiert, nutzten Denkmalschützer die Schlüsselübergabe des Zeughauses am vergangenen Freitag, um das Gerücht zu streuen, der Abriss des Metropols sei bereits beschlossene Sache. Die „FAZ“ fragte besorgt: „Mit wie vielerlei Maß misst man in Berlin den Wert von Denkmälern?“ Die Reaktion macht deutlich, welches Echo eine Abriss-Entscheidung haben könnte.

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