Berlin : Metropol-Pläne: Senat will lieber Geld

Kontroverse Reaktionen auf die Idee des Adlon-Erbauers, das Haus zum Musical-Theater zu machen

Sabine Beikler,Frederik Hanssen

Von Sabine Beikler

und Frederik Hanssen

Was wird aus dem Metropol-Theater? Jetzt hat der Adlon-Erbauer Anno August Jagdfeld im Tagesspiegel angeboten, das seit Jahren leerstehende Haus für einen Euro zu kaufen und denkmalsgerecht saniert zum Musicalhaus zu machen. Sein Vorschlag löst kontroverse Reaktionen aus: Begrüßt wird er von der Kulturverwaltung, der FDP und der CDU-Kulturexpertin Monika Grütters. Ablehnung kommt aus der Finanzverwaltung: Dort möchte man das Gebäude an den meistbietenden Investor verkaufen. Auch ein Abriss wird nicht ausgeschlossen.

Jagdfeld, Chef des Immobilienfonds Fundus, träumt davon, in dem sanierten Theater das Musical „Cabaret“ aufzuführen und die Friedrichstraße zum Berliner Broadway zu machen. Finanzsenator Thilo Sarrazin kann sich jedoch nicht mit Jagdfelds Plänen anfreunden. Sarrazin will eine „ertragsmaximale Verwertung“ des Hauses, um Geld in die leere Landeskasse zu bringen, sagte Claus Guggenberger, Sprecher des Finanzsenators. Guggenberger verweist auf das noch bis Ende Mai laufende Ausschreibungsverfahren. Danach werde man die Angebote „prüfen“. Sarrazin habe jedoch auch klargestellt, dass Konzepte mit einer „künstlerischen Nutzung“ für ihn Priorität hätten – wenn der Angebotspreis stimme. „Der Verzicht auf den Kaufpreis wäre eine indirekte Subvention“, sagt auch Senatssprecher Michael Donnermeyer zu Jagdfelds Vorschlag.

In der Kulturverwaltung hört man Jagdfelds Vorschlag dagegen gern. „Wir begrüßen jede Möglichkeit der kulturellen Nutzung“, sagte Pressesprecher Torsten Wöhlert. Ein zweiter Musical-Standort neben der Stage Holding, wie es der „Fundus-Chef“ vorschlägt, sei aus „kulturpolitischer Sicht“ begrüßenswert, doch die Entscheidung über den Verkauf des Gebäudes liege in der Verantwortung Sarrazins.

Zusätzliche touristische Angebote in der Stadt findet Stadtentwicklungssenator Peter Strieder zwar gut. „Bauprojekte müssen sich aber selbst tragen“, sagt Strieder. „Wer hätte das Metropol nicht gern für einen Euro?“ Die Entscheidung, wie das Metropol-Theater künftig genutzt wird, hänge auch davon ab, wer „sofort bezahlt und die Nutzung schnell realisiert“.

Die kulturpolitische Sprecherin der Berliner CDU, Monika Grütters, nannte Jagdfelds Vorschlag „spannend“: „Mit Genugtuung“ nehme sie zur Kenntnis, dass sich der Bauunternehmer um ein Gesamtkonzept für die Friedrichstraße bemühe. „Er wirkt als Investor vertrauenserweckend, ihm traut man zu, mit der Immobilie umzugehen.“ Auch die FDP hat sich unlängst dafür ausgesprochen, das Metropol zu erhalten. Jagdfeld ist nicht der einzige Interessent, der das Theater als Bühne erhalten will. Mindestes vier weitere Bewerber sollen Konzepte für eine kulturelle Nutzung eingereicht haben.

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