• Michael Müller zu Gast beim Tagesspiegel (II): "Ich stehe für eine andere Olympiade, als wir das bisher kennen"

Michael Müller zu Gast beim Tagesspiegel (II) : "Ich stehe für eine andere Olympiade, als wir das bisher kennen"

Senatschef Michael Müller will eine Olympia-Bewerbung, aber ohne Gigantomanie, und verspricht eine Volksbefragung mit verbindlichem Ergebnis. Außerdem äußerte er sich dazu, was jeder Bürger gegen Hass auf Flüchtlinge tun kann - und zum Wohnungsmangel. Teil zwei unseres Rückblicks auf das Tagesspiegel-Forum.

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Zu Gast beim Tagesspiegel: Mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller sprachen die Chefredakteure Stephan-Andreas Casdorff (links) und Lorenz Maroldt (rechts).
Zu Gast beim Tagesspiegel: Mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller sprachen die Chefredakteure Stephan-Andreas Casdorff...

Mit dem Ausspruch von Winston Churchill – „no sports“ – hat der Regierende Bürgermeister nichts gemein. Michael Müller hat einen Lieblingssport: das Rudern. „Ich bin einige Jahre selbst ganz gerne gerudert“, sagte er. Und jetzt versuche er, zumindest ein- bis zweimal pro Woche ins Fitnessstudio zu gehen. Ob Breiten- oder Spitzensport – Michael Müller freut sich auf Olympia in Berlin. „Berlin steht bereit, wenn der Deutsche Olympische Sportbund sich für Berlin entscheidet – 2024 oder 2028“.

Müller sieht Olympia auch als Chance für Berlin, sich international gut zu präsentieren. „Investitionen kommen nicht von allein“, so der SPD-Politiker, „das kann eine Chance sein“. Eine Bewerbung um jeden Preis lehnt Müller aber ab. „Ich stehe für eine entschiedene Reform-Olympiade, die anders ist als das, was wir bisher kennen.“

Ringe, die Berlin entzweien. Ob die Stadt sich um Olympia bewirbt, darüber soll in einem Volksentscheid verbindlich abgestimmt werden, verspricht Müller.
Ringe, die Berlin entzweien. Ob die Stadt sich um Olympia bewirbt, darüber soll in einem Volksentscheid verbindlich abgestimmt...Foto: dpa

Das heißt: Das Internationale Olympische Komitee müsse sich von „gigantomanischen Spielen“ verabschieden und dürfe keine Bewerbungen erwarten, in denen sich die Städte immer heftiger in Konkurrenz zu den Mitbewerbern positionieren müssen. „Wir brauchen kein Olympia, wo wir draufsatteln müssen, sondern nachhaltige Spiele. Wenn der IOC es ernst meint und sich auf den olympischen Gedanken rückbesinnt, dann steht Berlin gern mit einer solchen Bewerbung bereit“, sagte Michael Müller. Berlin sei eine sportbegeisterte Stadt mit herausragenden Sportevents. Erst am Dienstag verabschiedete der Senat, 2,74 Millionen Euro für das Champions-League-Finale am 6. Juni 2015 zuzuschießen.

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Michael Müller zum Thema Olympia in Berlin
Michael Müller zum Thema Olympia in Berlin

Der Deutsche Olympische Sportbund will am 21. März 2015 verkünden, ob sich Deutschland mit Berlin oder Hamburg für die Olympischen und Paralympischen Spiele bewirbt. Die Bewerbung von Hamburg im aktuellen Interessenbekundungsverfahren nimmt Müller ernst. „Ich unterschätze die Hamburger Bewerbung nicht. Aber ich glaube, auch Berlin gibt eine starke Bewerbung ab.“ Die Berliner könnten deshalb durchaus selbstbewusst auftreten. Das Rennen zwischen der Hansestadt und der deutschen Hauptstadt schätzt Müller als völlig offen ein. Sollte die Entscheidung für Berlin ausgehen, kündigte Müller eine „echte Auseinandersetzung“ mit den Berlinern an: Es sollen zum Beispiel „Stadtdialoge“ vor Ort organisiert werden. Müller kündigte zum Abschluss dieses Prozesses ein Bürgervotum an. Es werde eine „richtige und bindende“ Volksabstimmung oder Volksbefragung geben für oder gegen die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele in Berlin. Verfasssungsrechtlich sei das nicht ganz einfach, aber man werde einen Weg finden.

Berlins Olympia-Pläne reichen von Rostock bis Wolfsburg
Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn und ab in den Norden: Hier in der Stolper Heide befindet sich seit 1997 ein Golfclub, der einst angelegt worden ist von der Golf-Legende Bernhard Langer und der offenbar als Olympiastätte genutzt werden kann. Der Club hat zwei 18-Loch-Plätze und nach eigenen Angaben mehr als 1400 Mitglieder. Und wo liegt noch mal Stolpe? Schauen wir auf das nächste Foto.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Simulation: Tegel Projekt
03.09.2014 12:12Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn und ab in den Norden: Hier in der Stolper Heide befindet sich seit 1997 ein Golfclub,...

Müller und der Volksentscheid zum Tempelhofer Feld: Als Stadtentwicklungssenator hatte der Regierende Bürgermeister im Mai selbst erlebt, dass Partizipation der Bürger Senatspläne vom Tisch wischen kann. Vergeblich hatte er für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes gekämpft. Müller ist davon überzeugt, dass Partizipation die parlamentarische Demokratie nicht ersetzen, sondern ergänzen könne. Die gewählten Abgeordneten hätten ja auch einen Auftrag von den Bürgern.

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