Berlin : Mieter im Märkischen Viertel müssen künftig mehr zahlen

1900 Wohnungen der Gesobau werden teurer – um bis zu 20 Prozent Durch den Wegfall der Anschlussförderung wurde das möglich

Sandra Dassler

Die Briefe erreichten viele Mieter am vergangenen Freitag, dem 20. Oktober. „Eine Woche früher hätte besser gepasst“, sagt eine Frau in der Finsterwalder Straße. Eine Woche früher war Freitag, der 13., und an einem solchen Tag muss man bekanntlich mit allem rechnen – sogar mit Mieterhöhungen um fast 20 Prozent.

So viel mehr müssen die Mieter in knapp 1900 Wohnungen im Märkischen Viertel ab Januar 2007 jedenfalls an die Gesobau zahlen. Ganz überraschend sei das allerdings nicht gekommen, sagte Gesobau-Sprecher Matthias Gaenzer gestern dem Tagesspiegel. „Wir haben den Betroffenen bereits vor Wochen angekündigt, dass die Förderung für diese Wohnungen am 31.12.2006 ausläuft. Und dass wir sie dann dem Berliner Mietspiegel anpassen müssen.“

Anpassung bedeute aber nicht, dass die städtische Wohnungsgesellschaft rücksichtslos zum Marktniveau übergehe, sagte Gaenzer. Das könne man sich angesichts einiger bereits leer stehender Wohnungen gar nicht leisten. Außerdem seien die Mieten in den betroffenen Wohnungen sehr niedrig. Sie liegen bislang bei 3,43 bis 4,08 Euro je Quadratmeter nettokalt. Ab Januar würden es 3,99 bis 4,44 Euro, was immer noch unter den Durchschnittswerten des Berliner Mietspiegels sei. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung aus dem Jahr 1967 bedeutet das beispielsweise, dass sich die Kaltmiete von derzeit knapp 300 auf rund 350 Euro erhöht.

Doch eine solche Mieterhöhung bedeutet für manche Familien eine große Belastung, sagt Michael Redlingshöfer, der Leiter des Gesobau-Servicecenters im Märkischen Viertel. „Wir sind am vergangenen Freitag länger als sonst an den Schreibtischen geblieben, weil wir wussten, dass viele Anfragen kommen würden“, sagt er. So sei es auch gewesen. Zehn Kundenberater hören sich gegenwärtig den Frust der Betroffenen an. Etwa zehn Mieter betreut jeder Berater täglich, und oft fallen Sätze wie: „30 Euro mehr im Monat können wir einfach nicht mehr aufbringen.“

Nicht immer stimme das, weiß Redlingshöfer: „Von manchen Mietern wissen wir ja, dass sie ganz gut verdienen.“ Ansonsten vereinbaren seine Mitarbeiter auch Einzelfallprüfungen. „Wenn uns nachgewiesen wird, dass eine Familie nicht mehr aufbringen kann, sehen wir eventuell von der Mieterhöhung ab“, sagt Redlingshöfer. Und widerspricht Vorwürfen, die Gesobau würde ihrer sozialen Verantwortung nicht gerecht. Es stimme auch nicht, dass die neue Miete in allen Fällen über den für Hartz-IV-Empfänger geltenden Sätzen liege. Im Märkischen Viertel leben viele Hartz-IV-Empfänger.

2003 hatte Berlin den Wegfall der Anschlussförderung für den sozialen Wohnungsbau beschlossen, was das Bundesverwaltungsgericht bestätigte. Insgesamt 28 000 Wohnungen sind davon betroffen, auch bei der größten städtischen Wohnungsgesellschaft Degewo. Deren Sprecherin Erika Kröber findet aber, dass der Wegfall der Förderung nicht automatisch zu höheren Mieten führen muss: „Wenn das langfristig zu Leerstand führt, ist keinem gedient“, meint sie.

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