Mietmarkt : Mieterverein: Jede zweite Wohnung zu teuer

Für jede zweite Wohnung wird in Berlin laut Mieterverein zu viel bezahlt. Bei der Organisation kann jeder kontrollieren, ob die Miete dem aktuellen Mietspiegel entspricht.

Eine Altbauwohnung an der Wilmersdorfer Wilhelmsaue ist bislang der Spitzenreiter bei der „Aktion Mietpreisüberprüfung“ des Berliner Mietervereins: Sie übersteigt den ortsüblichen Wert um 33 Prozent. Eine Altbauwohnung an der Linienstraße ist vergleichsweise günstig – „nur“ 18 Prozent teuer als die ortsübliche Vergleichsmiete. Eine erste Auswertung der Aktion hat die Erfahrungen des Mietervereins voll bestätigt: Für jede zweite Berliner Wohnung wird zu viel Miete gezahlt.

Seit zwei Wochen kontrolliert die Organisation, ob die gezahlten Mieten in der Stadt dem aktuellen Mietspiegel entsprechen. Die Aktion, die allen Berlinern angeboten wird, dauert bis Ende Januar. Vor zwei Jahren ließen rund 4000 Mieter ihre Kosten überprüfen, auch damals zahlte die Hälfte von ihnen zu viel. Hauptgeschäftsführer Hartmann Vetter sagte gestern, die Mieten würden von Haushalten angesichts stagnierender oder gar sinkender Realeinkommen zunehmend als Belastung empfunden, zumal auch die Nebenkosten kräftig stiegen. Die Mehrbelastung werde teilweise subjektiv höher eingeschätzt, als sie in Wirklichkeit sei. Die Mieter fühlten sich jedenfalls überfordert, „an der Grenze“. Auch bei Neuabschlüssen werde oft kräftig zugelangt: Die um ein Drittel zu teuer bezahlte Wohnung an der Wilhelmsaue war allerdings schon im Juni 2004 bezogen worden.

Vetter meinte, ein Anspruch auf Mietsenkung bestehe nicht, weil die Rechtsprechung vor Jahren festgestellt habe, dass eine Wohnungsnot in Berlin nicht mehr existiere. Ein entsprechender Paragraf des Wirtschaftsstrafgesetzes sei daher nicht mehr anzuwenden. Man könne betroffenen Mietern nur raten, mit dem Vermieter zu reden oder sich etwas Billigeres suchen. „Aber es gibt auch eine gute Nachricht“, sagte Vetter: Solange die ortsübliche Miete überschritten werde, sei eine Preiserhöhung für die Wohnung nicht zulässig. Bislang haben sich 600 Mieter an der unentgeltlichen Überprüfungsaktion beteiligt, zum größten Teil kommen sie aus den Bezirken des Westteils, aber auch aus Altbaugebieten von Prenzlauer Berg und Friedrichshain, wo viele Mieten als zu hoch empfunden werden. Rund 100 der eingereichten Unterlagen sind inzwischen ausgewertet worden.

Der Mieterverein hatte im Sommer den neuen Mietspiegel – er ergab in den letzten zwei Jahren durchschnittliche Steigerungen um 5,9 Prozent – wegen seiner hohen Spannen als preistreibend bezeichnet. Es sei jetzt noch wichtiger, dass die Mieter ihre Macht nutzten, denn bald könne das Wohnungsangebot knapper werden, hieß es. Nach Angaben der Senatsbauverwaltung ist die Zahl der leer stehenden Wohnungen von rund 150 000 auf rund 108 000 zurückgegangen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete beträgt 4,75 Euro pro Quadratmeter und Monat. Der Mietspiegel gilt für 1,2 Millionen Alt- und Neubauwohnungen, aber nicht für sozialen Wohnungsbau.

Mit einem frankierten Rückumschlag kann ein Überprüfungsbogen beim Berliner Mieterverein (Behrenstraße 1c, 10117 Berlin) angefordert werden.

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