Mieträdersystem in Berlin : Deutsche Bahn muss sich abstrampeln

In diesem Jahr will die Deutsche Bahn 50 neue „Call a Bike“-Stationen in Berlin einrichten. Doch das Leihradsystem ist noch immer ein Modellprojekt und könnte nach dem geplanten Ausbau 2014 schon wieder verschwinden.

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Nimm mich mit. Die Nachfrage nach den Rädern wie hier am Potsdamer Platz hat sich laut einer noch unveröffentlichten Auswertung inzwischen wieder berappelt, nachdem sie eingebrochen war.
Nimm mich mit. Die Nachfrage nach den Rädern wie hier am Potsdamer Platz hat sich laut einer noch unveröffentlichten Auswertung...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Leihfahrräder der Deutschen Bahn sollen sich schon bald weiter vermehren – und könnten danach allesamt verschwinden. Denn im nächsten Jahr will der Senat das Leihradsystem neu ausschreiben. Für das aktuelle, zeitweise als Modellprojekt von Bundesverkehrsministerium und Land geförderte „Call a Bike“-Modell bestehe eine Nachnutzungspflicht bis Ende 2014, teilte die Stadtentwicklungsverwaltung jetzt dem Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar auf Anfrage mit. Was danach kommt, ist zwar offen – aber die Rückkehr zum alten System, bei dem die Fahrräder an jeder Kreuzung in der Innenstadt abgestellt werden konnten, sei nicht geplant.

Wie Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) schreibt, sollen zu den rund 100 vorhandenen noch in diesem Jahr etwa 50 neue Stationen innerhalb des S-Bahn-Rings kommen. Mit den Betonquadern als Basis hat die Verwaltung kein Problem: Sie seien robust und wartungsarm und könnten relativ leicht an den jeweiligen Bedarf angepasst werden.

Die Nachfrage hat sich laut einer noch unveröffentlichten Auswertung inzwischen berappelt, nachdem sie während der Umstellung des Systems von flexiblen Abstellplätzen auf feste Stationen im Jahr 2011 eingebrochen war. Damals konnten die Räder auch wegen technischer Probleme oft nicht ausgeliehen werden. Im Jahr 2012 sei jedes Rad durchschnittlich 0,6 Mal am Tag ausgeliehen worden. Zwei Jahre zuvor waren es noch 0,7 Ausleihen pro Tag. Allerdings waren die Räder damals nur von März bis November verfügbar, während sie jetzt auch in den Wintermonaten bereitstehen – und naturgemäß wenig genutzt werden, was die Quote drückt.

Die Zahl der aktiven Nutzer ist demnach geringfügig auf gut 21 000 gestiegen. Mit anderen Worten: Nicht einmal jeder 100. erwachsene Berliner nutzt das System. „Erhebliches Wachstumspotenzial“ sieht der Senat nicht nur hinsichtlich des Leihfahrrads als Verkehrsmittel im Allgemeinen, sondern auch beim Durchblick durch den Tarifdschungel: Nur 520 Kunden hätten die Sonderkonditionen für Abonnenten von VBB-Tickets genutzt. Wer eine Dauerkarte für Bus und Bahn hat, kann für 24 Euro im Jahr die erste halbe Stunde gratis radeln – beliebig oft. Sonst kostet der Pauschaltarif 48 oder mit Bahncard 36 Euro.

Dabei war das Leihsystem als Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln ein erklärtes Ziel des Forschungsprojektes. Die Idee dahinter: Wer ein Rad für den Weg vom Bahnhof zum Ziel ausleiht, verstopft nicht mit seinem eigenen Drahtesel die S- oder U-Bahn. Der Senat fördert das Projekt aktuell mit einer Million Euro pro Jahr. Aus Sicht des Grünen-Verkehrspolitikers Stefan Gelbhaar sollte der Senat bei der Neuausschreibung vorgeben, dass der künftige Betreiber das System nach Ablauf seines Vertrages einem Nachfolger übergeben muss, damit ein Neuer nicht wieder bei null anfangen müsse. Außerdem fordert Gelbhaar, das Angebot offensiver zu vermarkten: „Während der Fahrradverkehr boomt, stagniert das Ausleihsystem.“

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