• Mietspiegel für Berlin: Mieter und Vermieter interpretieren neue Daten völlig unterschiedlich

Mietspiegel für Berlin : Mieter und Vermieter interpretieren neue Daten völlig unterschiedlich

Für etwas Verwirrung sorgt der aktuelle Mietspiegel: Denn der Berliner Mieterverein deutet die neuen Daten völlig anders als der Verband der Wohnungsunternehmen. Mieterhöhungswelle oder moderate Mietentwicklung - was denn nun?

von
Die neuen Daten des Berliner Mietspiegels sind da.
Die neuen Daten des Berliner Mietspiegels sind da.Foto: dpa

Der Berliner Mieterverein deutet den aktuellen Mietspiegel völlig anders als die Senatsverwaltung für Wohnen. Wie schon 2011 werde es zu einer neuen Mieterhöhungswelle kommen, erklärte Geschäftsführer Reiner Wild am Donnerstag. Grund seien die stark gestiegenen so genannten Oberwerte der Mietpreisspanne. Bei Altbauten vor 1918 und Nachkriegsbauten der Jahre 1965 bis 72 seien diese Werte um bis zu 25 Prozent gestiegen, in anderen Fällen um rund 10 Prozent. „Die Oberwerte sind die Orientierung der Vermieter“. Mieter sollten genau prüfen, ob eine geforderte Mieterhöhung bis hin zum Oberwert durch die Ausstattung der Wohnung gerechtfertigt sei.

Für jeden Haustyp wird – abhängig von Lage und Alter des Gebäudes – eine Mietenspanne mit einem oberen und unteren Wert ermittelt. Diese Werte können um bis zu vier Euro vom mittleren Wert abweichen. Das liegt an unterschiedlichen Berechnungsverfahren. In den Oberwert fließen deutlich mehr Neuvermietungen ein, bei denen die Zahlen oft weit über den Bestandsmieten liegen. Die Hauseigentümer können je nach Ausstattung oder Sanierungszustand Aufschläge auf den mittleren Wert verlangen. Hochwertiges Parkett kostet zwischen 25 und 40 Cent pro Quadratmeter extra, ein modernes Bad mit gefliester Dusche, Badewanne und Handtuchwärmer rechtfertigt einen Aufschlag um rund 30 Cent. Liegt die Wohnung im Souterrain, muss der Vermieter einen Abschlag von einem Euro gewähren. Bei Mietstreitigkeiten können diese Auf- oder Abschläge vor Gericht geltend gemacht werden.

Die Grünen fordern, den Mietenanstieg zu bremsen. „Wir wollen, dass sich auch neue Verträge nach dem Mietspiegel richten müssen, maximal mit einem Aufschlag von zehn Prozent“, sagt der wohnungspolitische Sprecher Andreas Otto. Der Senat müsse im Bundesrat für eine entsprechende gesetzliche Regelung kämpfen. Der Mieterverein fordert, die aktuelle Kappungsgrenze bei Neuvermietungen, also die maximal mögliche Mieterhöhung (15 Prozent in drei Jahren), weiter zu senken.

Mietspiegel: Quadratmeterpreise in deutschen Großstädten
In Hamburg sind es durchschnittlich sogar 10,88 Euro pro Quadratmeter.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: dpa
24.05.2013 14:58In Hamburg sind es durchschnittlich sogar 10,88 Euro pro Quadratmeter.

Der Verband der Wohnungsunternehmen (BBU) interpretiert den Mietspiegel als Beleg für eine „sehr moderate Mietenentwicklung“ in Berlin. Die „zuletzt sehr aufgeregte Berliner Mietendiskussion“ sollte jetzt „konsequent versachlicht werden“, sagte BBU-Chefin Maren Kern. Berlin sei weiterhin „Welten von der Lage in anderen Großstädten entfernt“. Als Beispiel nennt Kern München mit einer Durchschnittsmiete von 10,13 Euro pro Quadratmeter. In Dresden liegt die aktuelle Nettokaltmiete bei 5,46 Euro. In Köln kosten Wohnungen in mittlerer Lage zwischen 6,50 und 8,70 Euro.

Der Mietspiegel gilt nicht in öffentlich geförderten Sozialwohnungen, auch nicht in Ein-, Zweifamilien- oder Reihenhäusern. Der Verband der Wohnungsunternehmen, zu denen die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und kirchliche Unternehmen gehören, weist darauf hin, dass die Durchschnittsmiete im eigenen Bestand bei 5,15 Euro liegt, also rund 40 Cent niedriger als auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt.

In Deutschland weisen 538 Städte und Gemeinden Mietspiegel aus, obwohl es dazu keine gesetzliche Verpflichtung gibt. Der Mietspiegel basiert auf einer repräsentativen Abfrage von Preis- und Ausstattungsdaten. Rund 12 000 Fragebögen wurden in einem komplizierten statistischen Verfahren ausgewertet Die Verbände der Mieter und Vermieter müssen ihn anerkennen, damit er allgemein gültig wird.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben