Berlin : Miezhaus eröffnet: Alles für die Katz

Ole Töns

Sie sind zu ägyptischen Gottheiten erkoren und von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Sie gelten als verträumt, rätselhaft, verschlagen und haben die Literaten immer wieder inspiriert. Charles Baudelaire dichtete, dass vor allem Verliebte und Weise sie schätzen. Jean Cocteau schrieb, sie seien die sichtbare Seele des geliebten Heims. Für viele wäre das Leben ohne Katzen schlicht für die Katz. Und manche halten sich gleich eine ganze Wohnung voll. Als "lebenden Dosenöffner" für elf Kleinraubtiere bezeichnet sich gar die Rechtsanwältin Sabine Buhlan, die in der Nollendorfstraße 31 / 32 mit ihrer Freundin Martina Wittenburg ein Kaufhaus für Katzennarren eröffnet hat: das Miezhaus.

Dort ist, vom noblen Handtuchalter über die putzige Eiswürfelform bis zur Handytasche aus Filz, alles Käufliche von katzenhafter Gestalt oder mit einschlägigem Konterfei versehen. Die Porzellanfigur, der wetterfeste Antikformstein für Balkon und Garten - Ikonen für den Katzenkult, Fanartikel für Fanatikerinnen. Kaum anders lässt sich zusammenfassen, was da in Schaufenstern, Setzkästen, Buchdeckeln, Vitrinen, Rahmen, Regalen, Kisten und Kasten, sitzend, liegend, kauernd, blinzelnd in tausenderlei Ausführung und meist edlen Materialien immer wieder nur der einen huldigt: felis domestica. Aber: "Lebende Exemplare gibt es bei uns nicht", sagt Sabine Buhlan. "Wir sind doch keine Zoohandlung! Verkaufen? Nein! Dafür lieben wir die Tiere viel zu sehr."

Was aber bringt eine Rechtsanwältin mit eigener Kanzlei und eine Gymnasiallehrerin dazu, sich der privaten Passion fortan auch beruflich zu widmen? Es sei eine hervorragende Geschäftsidee, meint Sabine Buhlan, so etwas gebe es hier weit und breit noch nicht. "Zudem ist Familienrecht aufreibend. Wenn die Ehepartner zum Rechtsanwalt kommen, ist immer schon alles kaputt."

Doch die ganze Geschichte beginnt, wie so viele, in der Kindheit. Vater "Bully" Buhlan sang unvergessene Schlager mit Texten, wie "ich hab noch einen Koffer in Berlin" oder "ich mag so gerne Würstchen mit Salat". Privat war er ein Katzenfreund. "Die hatten bei uns zu Hause eigene Stühle am Esstisch, auf die sich niemand setzen durfte", erzählt die Tochter. "Und wenn eine starb, war Vater in Tränen aufgelöst." Der Entertainer brauchte daheim Ruhe und Rituale, um zu sich zu kommen. Wobei die Katzen eine wichtige Rolle spielten. "Vater trank seinen Tee morgens im Bett. Und wenn er im Schlafanzug aus der Küche kam, wartete schon eine der Katzen, damit er ihr mit der warmen Kanne über den Rücken streichen konnte."

Während die Freundinnen und Geschäftspartnerinnen reden, brummt es leise im Schaufenster. Dort liegt das Prunkstück der Sammlung auf einem grünen Samtkissen: eine große weiße Kunstfellperserkatze mit vier Jungen. Das Geräusch kommt von einem Motor, der den Kopf beständig in Bewegung hält. "Selbst die Hunde halten sie für echt und kläffen", sagt Martina Wittenburg. Gemeinhin gelten diese ja als beste Freunde des Mannes, während Frauen eher zur Katzenliebe neigen. Das ist zwar längst Gemeinplatz, findet Martina Wittenburg. Immerhin, der bei weitem überwiegende Teil der Kundschaft ist weiblich. "Die Katze als Gefährtin der Frau hat Tradition bis mindestens ins Mittelalter." Doch auch die meisten Männer, die hier hereinkommen, freuen sich über das Angebot im Miezhaus, befinden die beiden Geschäftsfrauen einhellig. "Die sind überglücklich, weil sie endlich wissen, was sie ihren Frauen zu Weihnachten schenken können."

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar