Migräne : Auf den Körper hören

Migräne ist eine wahre Volkskrankheit. Woher kommt der Schmerz, was kann man gegen ihn tun? Ein Gespräch mit Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin.

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Kater ohne Alkohol. Typisch für Migräne: pochender Kopfschmerz.
Kater ohne Alkohol. Typisch für Migräne: pochender Kopfschmerz.Foto: Stephan Jansen/dpa

Jeder hat mal Kopfschmerzen. Was ist bei der Migräne anders?

Sie fühlt sich oft an wie ein Kater – nur ohne Alkohol. Typische Symptome sind pochender, pulsierender Kopfschmerz, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Bei zwei Drittel der Patienten tritt der Schmerz halbseitig auf. Daher stammt übrigens auch der Name – das altgriechische Wort bedeutet „halber Schädel“. Viele Menschen haben nie eine Migräne, andere erwischt es nur ein oder zwei Mal im Leben. Wer unter schwerer Migräne leidet, muss mit mindestens acht Attacken im Monat leben.

Wie passiert bei diesen Attacken im Hirn?

Meinen Migränepatienten sage ich immer, dass sie eigentlich ein bisschen stolz auf ihr Gehirn sein können. Denn die Nervennetze sind stark erregt, die Reizverarbeitung läuft auf Hochspannung, sie sind meist konzentrierter, aufnahmefähiger, können mehr Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Wäre das Gehirn ein Auto, würden sie einen Porsche fahren. Allerdings blockiert das Bremspedal. Die körpereigene Schmerzhemmung des Hirnstamms scheint bei Migränepatienten weniger ausgeprägt zu sein. Dadurch sind sie weniger stressresistent. Migräne hat also genetische Ursachen und ist weder das Produkt einer falschen Erziehung noch einer psychischen Erkrankung.

So weit zu den körpereigenen Ursachen. Aber was löst eine Attacke aus?

Wichtig ist, zwischen Anlass und Ursache zu unterscheiden. Letztere ist, wie gesagt, die genetische Veranlagung zu hocherregten Nerven und geringerer Stressresistenz. Der Anlass, der das Fass dann zum Überlaufen bringt, können etwa psychischer oder körperlicher Stress, ungewohnte Lebensumstände oder Hormonschwankungen sein. Allerdings wird die Migräne viel zu oft unnötig pathologisiert, also als Krankheitsphänomen wahrgenommen. Leidet etwa ein Jugendlicher unter häufigen Attacken, vermuten manche schnell psychische Probleme. Das ist oft Quatsch. Solche Diagnosen verunsichern Kinder und Jugendliche nur unnötig und setzen sie unter Druck.

Die Migräne ist eine Volkskrankheit, die Millionen Menschen quält. Was hilft?

Leichte bis mittlere Anfälle können gut selbst behandelt werden – etwa mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac oder Naratriptan. Besonders wirksam sind Kombinationspräparate mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein.

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