Berlin : Mikroökonomie

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Von David Ensikat

Kommt ’ne Katze zum Tierarzt. Fragt der Arzt: Na, wo ist denn Frauchen? Sagt die Katze: Miau. Und Herrchen? Wo ist Herrchen? Sagt die Katze: Miau. Kein Witz, echt. Das ist überhaupt kein Spaß. Das ist der erschütternde Alltag in Tierarztpraxen. Entlaufene, sprachlose Katzen, ratlose Veterinäre. Aber das muss nicht sein, denn es gibt den „Ich-will-nach-Hause-Chip". Moderne Katzen tragen den unter der Haut, und moderne Tierärzte besitzen einen dazu passenden „Ich-will-nach-Hause-Chip-Scanner". Wenn die moderne Katze am Scanner vorbeistreift, macht der wie ein Vögelein Pieps und identifiziert das Tier. Der Tierarzt ruft nun die zentrale Katzenchipregistratur an und erfährt, wie der Besitzer heißt. Eine tolle Sache, wie wir finden, und für die moderne Katze zudem völlig unbedenklich, wie die „lch-will-nach-Hause-Chip"-lndustrie betont. Der Chip sitzt bequem unter der Haut, vibriert nicht, wird nicht heiß und ist rostfrei. Völlig unbegreiflich, dass bis heute nur eine verschwindende Minderheit deutscher Katzen mit dem „Ich-will-nach-Hause-Chip" versehen ist. Immer wieder kommt es zu Szenen, wie wir sie oben beschrieben haben. Verzweifelte Tierärzte streichen mit ihrem Scanner an rückständigen Katzen entlang, immer wieder, und der Scanner piepst nicht. Die Katzen sagen Miau, manche genießen die Prozedur und schnurren entspannt - aber das nützt ja keinem was. In Berlin gibt es jetzt einen 10- Euro-Gutschein für Katzenbesitzer, die sich den Chip nicht leisten können. Damit steht der Modernisierung der Katzenpopulation nichts mehr im Wege. Das verzweifelte Maunzen in den Praxen wird sanftem Scannerpiepsen weichen, die Chipindustrie und mit ihr der Nemax geraten in märchenhaften Aufschwung. Genau so hat sich das John Maynard Keynes vorgestellt.

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