Berlin : Milchtüten zu Taschen

NAME

Charlottenburg. Für die meisten hat sich nach dem Durst die Sache erledigt. Die leere Saftpackung landet im Müll. Doch bei Michael Wuerges ist das anders. Vorsichtig reißt der 23-Jährige die Tetra- Packs auf, säubert und desinfiziert sie und schneidet die gewünschte Form. Dann werden die Teile zusammengenietet und zwei durchsichtige Henkel montiert. Ungefähr eine Stunde hat der Charlottenburger dafür gebraucht. Und aus einem Tetra- Pack wurde ein Tetra-Bag.

Seit ungefähr zwei Jahren schenkt der Student jeder Trinkverpackung, die ihm in die Finger kommt, ein zweites Leben. Er fertigt daraus witzige Taschen. In seiner kleinen Wohnung stapeln sie sich auf dem Schrank. Der „Maxi-Liner“ mit Orangensaft-, Milch- oder Ice-Tee-Design neben der elegant geformten „Kelly-Bag“ die wahrscheinlich für „Grüne-Tee-Trinker“ genau das Richtige ist.

Die geniale Idee kam dem Studenten bei einer Geburtstagsfeier in seinem Heimatort Straubing. „Damals lag ein riesiger Berg Safttüten herum und die Kinder fingen an, daraus Türme zu bauen“, erinnert sich der Erfinder. Wuerges begann an der Pappe herumzuschneiden. Im Nu entstanden kleine Portmonees. Aber dann wurden die Entwürfe größer und noch am selben Abend hängte er sich seine erste Tasche über die Schulter. Seine Mutter und seine fünf Tanten waren so begeistert, dass er gleich am nächsten Tag ein paar neue Taschen aus dem Supermarkt für den Supermarkt bastelte.

Er trug seine aufgepeppten Tüten natürlich auch selbst zur Schau. Und wurde oft auf der Straße angesprochen. „Nicht nur von Teenies“, sagt Michael Wuerges, „auch ältere Damen und manchmal junge Herren interessierten sich für die Bags.“

Wuerges, der in dieser Zeit gerade seinen Zivildienst absolvierte, kannte nach Feierabend nur noch ein Ziel: Die Gelbe Tonne. Als er nicht mehr mit der Produktion hinterherkam, stellte er sein Heimwerker-Hobby auf eine professionelle Produktion um. Wuerges fand in der Firma Tetra-Pack Verbündete, die ihm jetzt saubere Rollen mit fehlerhaften Aufdrucken zur Verfügung stellen. Und die Taschen, von denen er bereits rund 1000 Stück verkaufte, werden in Straubing innerhalb eines Sozialprojektes der Arbeiterwohlfahrt von Hand produziert. Zur Kollektion gehören vier verschiedene Formen. Sie kosten zwischen 30 und 60 Euro. Er selbst benutzt fast täglich den 40 mal 30 Zentimeter großen „Maxi-Liner“ mit H-Milch-Design. „Sie hat den Härtetest überstanden“, freut sich der Produkt-Design-Student. Auch Kartoffelsäcken, Obst und Flaschen hielt sie stand. Bloß bei Dauerregen sollte man zu einer anderen Variante greifen, empfiehlt er. Schon arbeitet Wuerges an seinem nächsten Projekt: Warum sollten sich nicht auch Möbel aus Tetra- Packs herstellen lassen? Steffi Bey

Tetra-Bags können im „Stilwerk“, Kantstraße 17, gekauft werden oder über das Internet unter www.tetra-bag.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar