Milder Winter : Ein Wetter für Elefanten

Der milde Winter bringt Berlin viel Regen - und wegen der vergleichsweise hohen Temperaturen blühen bereits die ersten Pflanzen. Für Allergiker ist das nicht so angenehm. Bestimmten Tieren gefällt der Regen dagegen sehr.

Christina Kohl

Die schlechte Nachricht: Voraussichtlich wird es heute weiter regnen. Die gute: So starke Niederschläge wie am Wochenende sind nicht zu erwarten. Außerdem „tötet“ der Regen die Pollen. Die sind für viele nämlich bereits zum Problem geworden. Das milde Wetter lässt Frühblüher sprießen – und Allergiker leiden.

Im Botanischen Garten in Dahlem lassen sie sich bereits sehen, die herabhängenden gelblichen Blütenkätzchen der Haselnuss. Rund zwei Millionen Pollenkörner enthält jede dieser Blütenansammlungen. Dass sie bereits jetzt knospen, hat vor allem mit den hohen Temperaturen zu tun. Kräftiger Regen kann allerdings dazu führen, dass manche gar nicht erst aufgehen.

Schwankungen in der Blütezeit gelten unter Botanikern als normal. Bis zu zwei Monate kann sich das Knospen verschieben, sagt Gesche Hohlstein. Die Biologin aus dem Botanischen Garten sorgt sich nicht um die Frühblüher. Bäume und Sträucher, die Blätter austreiben, haben einen hohen Zuckeranteil in ihren Zellen. Das wirkt wie ein natürlicher Gefrierschutz. So können sie auch einen plötzlichen Wintereinbruch überleben.

„Deutlich über dem Soll“ beziffert Jens Hoffmann die Temperaturen, die etwa so hoch sind wie im Januar 2007. Der Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst macht einen Unterschied von rund neun Grad plus gegenüber dem Mittel für die Rhein-Main-Region aus. Auf lange Sicht gerechnet seien solche Abweichungen nicht ungewöhnlich. Beachtlich findet Hoffmann jedoch, dass die zweistelligen Temperaturen am vergangenen Wochenende fast flächendeckend in Deutschland gemessen wurden.

Schuld daran ist eine so genannte Westwetterlage. Aus dem Südwesten Europas drängen milde Luftmassen heran, begleitet von viel Wind und Regen. 2007 führte das zu einem der dramatischsten Naturereignisse der vergangenen Jahre: Am 18. Januar verursachte der Orkan Kyrill schwere Schäden in ganz Europa.

Am Sonnabend und Sonntag fiel in Teilen von Berlin so viel Regen wie sonst im ganzen Monat. Rund 45 Liter pro Quadratmeter maß der Deutsche Wetterdienst in 48 Stunden – insgesamt kommen im Januar im Durchschnitt 43 Liter vom Himmel. Ab heute soll ein Tiefdruckgebiet durch Deutschland ziehen, das kalte Meeresluft mitbringt. Im Bergland kann das sogar zu Schnee führen. Mit einer „nachhaltigen Einwinterung“ rechnet aber auch Hoffmann nicht.

Noch ist die Pollenfalle auf dem Gebäude der Hautklinik in Mitte leer. Das kann sich aber schnell ändern, sagt Torsten Zuberbier, Sprecher des Allergie-Zentrums der Charité. Allergikern rät er deshalb dringend, zum Arzt zu gehen. Rund 90 Prozent der Patienten könne mit einer Hyposensibilisierung geholfen werden, sagt Zuberbier.

Einigen freilich macht das schlechte Wetter überhaupt nichts aus – ja, sie haben sogar ihren Spaß dabei. Vor allem bei plötzlich einsetzendem Regen spielen die Elefanten im Berliner Zoo in den Pfützen, berichtet der Tierarzt André Schüle.

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