Militärmusikfestival : Das Dudelsack-Duell

1400 Militärmusiker sind derzeit zu zwei parallelen „Tattoos“ in der Stadt. Auch das persönliche Orchester der Queen schaut zum Militärmusikfestival vorbei.

Saara Wendisch
Gruppendynamik. Die Dudelsäcke dürfen bei keinem Militärmusikfestival fehlen: Die 170 Musiker von Massed Pipes & Drums kommen in schottischen Uniformen. Foto: promo
Gruppendynamik. Die Dudelsäcke dürfen bei keinem Militärmusikfestival fehlen: Die 170 Musiker von Massed Pipes & Drums kommen in...Foto: PRESSEBILDER

An diesem Wochenende gibt es in Anknüpfung an die Tradition der Alliierten gleich zwei große Militärmusikfestivals („Tattoos“) in Berlin: Rund 1400 Militärmusiker aus der ganzen Welt treffen sich in Friedrichshain und Prenzlauer Berg.

Das Größere, das am heutigen Freitag in der O2-World beginnt, gehört nach Aussage der Veranstalter zu den aufwendigsten Indoor-Tattoos der Welt. Selten wirken so viele Menschen an einem einzigen Event mit: Insgesamt 1183 Menschen sind damit beschäftigt, die Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Innerhalb von 24 Stunden haben die Kulissenbauer das Brandenburger Tor aufgebaut, das „fast originalgetreu“ auf der runden Bühne in der O2-Arena steht. Mit einer Höhe von 25 Metern ist es fast so groß wie das Original. Die Metallkonstruktion, überzogen mit 2200 Quadratmetern bedruckter Stoffbahnen, hat ein Gesamtgewicht von 14,6 Tonnen. Für den Transport von Mensch und Material kommen zehn Busse und ein großer Lkw zum Einsatz. Spezialfirmen kümmern sich um die Installation der technischen Einrichtung, damit während der Vorführung Lichttechnik und Soundinstallationen funktionieren. Ein Küchenteam bereitet währenddessen 18 000 Mahlzeiten für die Mitwirkenden zu. 3000 Doppelzimmer der Stadt haben sie belegt.

Der musikalische Leiter des Festivals, Oberst Michael Schramm, beschreibt die Veranstaltung als „ Champions League der Militärmusik“. „Die Besucher erwartet eine imposante Show auf höchstem musikalischen Niveau mit königlichen Formationen und internationalen Spitzenmusikern“, sagt er. Im Mittelpunkt stehen die traditionellen Repräsentationsorchester und Pipe- und Marchingbands aus sieben Ländern, darunter Großbritannien, Frankreich und Dänemark. Insgesamt treten 22 Bands mit insgesamt 700 Musikern auf. Von Freitag bis Samstag gibt es vier Shows. „Ein Höhepunkt ist der Auftritt der weltberühmten königlichen Her Majesty’s Coldstream Guards aus London“, sagt Erik Julliard, Produzent von Berlin Tattoo. Die Marching Band ist so etwas wie das persönliche Orchester der Queen, das auch die königliche Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton begleitet hat. Auch das offizielle Militärorchester aus Finnland, die „Guard’s Band of the Finnish Defence Forces“, spielt mit. Seit 1819 agiert es als fester Bestandteil der wichtigsten finnischen Staatszeremonien. „Solche Spitzenformationen und offiziellen Repräsentationsorchester können wir nur durch den Rückhalt des Bundeswehrverbands erhalten“, sagte Julliard. Denn die Orchester könnten nur unter offizieller deutscher Flagge eingeladen werden.

Deutschland wird durch das Stabsmusikkorps der Bundeswehr und durch den Wehrbereichsmusikkorps 1 vertreten sein. Auch Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière, Schirmherr der Veranstaltung, wird bei der Eröffnungsshow am Freitag als Zuschauer zu Gast sein.

Bei dem Tattoo gehe es in erster Linie um die Freude an der Musik, aber auch um Völkerverständigung, sagt Michael Schramm. Aufgeführt werden jedoch nicht nur traditionelle Märsche und Fanfaren, sondern auch Klassisches und Klassiker der Popmusik. Das Markenzeichen sei, wie bei jedem Tattoo, die vereinigten Dudelsackspieler und Trommler, die Massed Pipes & Drums: 150 Musiker, die mit schottischen Klängen ins schottische Hochland entführen sollen.

Der Begriff „Tattoo“ hat in diesem Fall nichts mit dauerhafter Körperbemalung zu tun. Er stammt aus dem Holländischen und bedeutet Zapfenstreich. Das Berlin Tattoo ersetzt seit 2011 das Berliner Militärmusikfest, das 1995 das British Tattoo der Alliierten abgelöst hatte. Da dieses immer Anfang November stattfand, veranstaltet parallel an diesem Wochenende die Musikparade GmbH ein weiteres „Berlin Tattoo“ in der Max-Schmeling-Halle. Dort präsentieren 700 Musiker internationale Militär- und Blasmusik. Die Bandbreite reicht von klassischer Marschmusik („Radetzky- Marsch“) über Schlagerklassiker wie die „Berliner Luft“ von Paul Lincke. Außerdem zeigt das „Fahrrad Musikkorps Crescendo“ aus den Niederlanden, wie sich Marschmusik auf dem Fahrrad spielen lässt. Angst, dass sich die beiden Veranstaltungen Konkurrenz machen, haben die Organisatoren nicht. Laut Sprecherin Vera Jansen-Cornette von der Musikparade gibt es eine wachsende Zahl von Berlinern, die sich für Marschmusik begeistern.

Berlin Tattoo in der O2-World, Mühlenstraße 12, Friedrichshain: Freitag, 20 Uhr, Sonnabend, 14 und 20 Uhr, Sonntag, 14 Uhr. Berlin Tattoo in der Max-Schmeling-Halle, Am Falkplatz 1, Prenzlauer Berg: Sonnabend und Sonntag, jeweils 15 Uhr. Karten jeweils ab 20 Euro.

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