Berlin : Militante kämpfen gegen Kreuzberger Linksautonome wollen „Myfest“ stören

Jörn Hasselmann

Eine Woche vor dem 1. Mai kämpfen die militanten Autonomen an zwei Fronten: Sie streiten nicht nur, wie üblich, mit der Polizei, sondern auch mit Kreuzberger Bürgern und den Machern des Kiezfestes am 1. Mai. Dieses „Myfest“ soll in diesem Jahr zum dritten Mal in Kreuzberg stattfinden, auf 20 Bühnen zwischen Oranienplatz und Manteuffelstraße gibt es den ganzen Tag und am Abend Musik, Sport und Kultur. Unterstützt wird das Fest von einem Bündnis aus Kiezinitiativen, Bezirksamt und Polizei. Für die militante Linke gilt das Fest dagegen als „von Staatsschutz und Polizei gesteuert“, wie es auf einer Internetseite heißt.

Gestern wurde dem Anmelder der für 18 Uhr geplanten „Revolutionären 1. Mai-Demo“ die von ihm gewünschte Route verboten. Persönlich holte sich Anmelder Gunnar Krüger den Bescheid am Vormittag im Polizeipräsidium ab – und anschließend störte Krüger laut brüllend eine Pressekonferenz von „Myfest“ und Polizei in Kreuzberg. Er kündigte „harte Auseinandersetzungen“ mit dem Fest an. Schon beim so genannten Veranstaltergespräch mit der Polizei hatte Krüger erklärt, dass es wie im vergangenen Jahr mitten im Festgeschehen eine (illegale) „Spontandemo“ geben werde. Nach Tagesspiegel-Informationen darf auch die zweite „Revolutionäre Demo“, die um 13 Uhr beginnen soll, nicht ins Festgebiet führen. Die angemeldete Demo muss 50 Meter vor dem Kottbusser Tor enden – dort beginnt das Fest. Beide Veranstalter kündigten an, gegen die Auflagen zu klagen.

Für Polizei und Kreuzberger gilt dieses Fest als einzige Möglichkeit, dauerhaft das Gewaltritual am 1. Mai zu stoppen – wenn nämlich Anwohner durch ihre Masse den krawallbereiten Autonomen entgegentreten. „Wir haben keine Lust mehr auf Krawall und Steinewerfen“, sagten gestern die Organisatoren des Fests. Offen blieb gestern, wie dies geschehen soll. Jugendstadträtin Sigrid Klebba (SPD) hofft, dass das Fest „deeskalierend“ wirken wird. Fest-Managerin Silke Fischer betonte jedoch, dass das Fest „keine Gewalt verhindern“ könne. Vertreter von Jugendgruppen kündigten an, dass man sehr wohl die körperliche Auseinandersetzung suchen werde.

Das befürchtet auch die Polizeiführung. „Es wird in diesem Jahr sehr schwierig für die Autonomen. Die Anwohner mussten sich letztes Jahr als Nazis beschimpfen lassen, die haben einfach keine Lust mehr, sich den Bezirk kaputtschlagen zu lassen“, sagte ein leitender Beamter. Kern des Streits sei letztlich die Frage „Wem gehört Kreuzberg“, sagte ein Szenekenner. Die militante Linke wolle nicht akzeptieren, dass sie kaum noch Rückhalt in der Bevölkerung hätte. Früher waren die Fronten klar gezogen: „Polizei gegen Kreuzberg“. Nun heißt es: „Anwohner gegen Autonome“. Im vergangenen Jahr sei erstmals zu sehen gewesen, dass Kiezbewohner – türkische und deutsche – den Steinwerfern in den Arm gefallen sind.

Die militante Linke reagierte gestern trotzig auf die Einigkeit von Anwohnern und Polizei: „Sie sollen nicht glauben, dass sie uns aus Kreuzberg raustreiben können.“ Die Demo in das Fest hinein werde „durchgesetzt“.

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