Berlin : Millionen für Ku’damm-Karree gesucht

Irische Firma will Passage und Theater nicht mehr allein umgestalten und hofft auf Co-Investoren.

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So soll’s mal aussehen. Der Umbau kostet etwa eine halbe Millarde Euro. Sim.: promo
So soll’s mal aussehen. Der Umbau kostet etwa eine halbe Millarde Euro. Sim.: promo

Das irische Unternehmen Ballymore verhandelt mit potenziellen Co-Investoren, damit diese sich an der geplanten Umgestaltung des Ku’damm-Karrees für 500 Millionen Euro beteiligen. Zu dem weitgehend leerstehenden Einkaufszentrum aus den 70er Jahren gehören auch das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm sowie ein Bürohochhaus. „Ballymore prüft Partnerschaften“, bestätigte Investorensprecher Armin Huttenlocher auf Nachfrage. Es gehe um „unterschiedlich große Anteile“ an dem Projekt.

Das Ziel laute weiterhin, das neue Ku’damm-Karree nach den Architektenentwürfen von David Chipperfield zu errichten und „ein neues Theater zu integrieren“, sagte Huttenlocher. Um den geplanten Abriss der zwei alten Theatersäle hatte es lange Streit gegeben, der im vorigen Januar in einem Bürgerentscheid gipfelte. Da sich zu wenige Bürger daran beteiligten, scheiterte der Verein „Rettet die Ku’damm-Bühnen“ aber mit der Forderung, die Theater unverändert zu erhalten. Nach den Plänen des Investors sollen sie durch eine neue Bühne in der dritten Etage mit einem Eingang unten am Ku’damm ersetzt werden.

Kritiker spekulieren seit langem, dass Ballymore wegen der Finanzkrise in Irland keine halbe Milliarde Euro aufbringen könne. Huttenlocher sagt, es sei „allgemein bekannt, dass die Zeiten nicht einfacher geworden sind“. Ballymore stehe „in Irland unter Druck, immer wieder zu beweisen, dass dieses Projekt nicht nur wirtschaftlich funktioniert, sondern in Berlin auch politisch gewollt ist“.

Unter Kennern der Immobilienbranche kursieren indes noch weitergehende Gerüchte: Bei einer großen Maklerfirma könnten Interessenten ein Verkaufsexposé für das ganze Ku’damm-Karree bestellen, der geforderte Preis soll 140 Millionen Euro betragen – 15 Millionen Euro weniger als die Summe, die Ballymore 2007 beim Erwerb gezahlt hatte. Huttenlocher betont dagegen, das Objekt stehe „nicht in Gänze“ zum Verkauf. Die Maklergesellschaft ließ offen, ob und in welchem Ausmaß sie mit dem Verkauf beauftragt ist. Vielleicht könne man „später mehr“ dazu sagen.

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf wartet laut Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) seit Monaten auf Planungsunterlagen von Ballymore, „damit es weitergehen kann“. Dazu sagt Huttenlocher, man habe die Berliner Wahlen abgewartet, um die Verhandlungen mit den neu- oder wiedergewählten Politikern fortzusetzen. Der zuletzt angestrebte Baubeginn im Sommer 2012 sei „von uns aus noch immer möglich“.

Abgesehen von den Finanzierungsfragen bleiben zwei wesentliche Probleme. Das Bezirksbauamt hat Bedenken gegen eine Teilüberdachung der geplanten Freiluftpassage am Ku’damm-Karree, in die Geschäfte ziehen sollen. Und vor allem fehlt weiterhin eine Ersatzspielstätte für Martin Woelffers Ku’damm-Bühnen während der dreijährigen Umbauzeit. Die rot-grüne Zählgemeinschaft in Charlottenburg-Wilmersdorf hat vereinbart, dass die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) erst grünes Licht für das Projekt geben wird, wenn die Ersatzspielstätte gefunden ist.

Huttenlocher zeigt sich optimistisch, dass es bald eine Lösung gibt. „Noch vor Weihnachten“ solle es wieder Gespräche mit dem Bezirk und der Senatskulturverwaltung geben. Cay Dobberke

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